Wir segeln und wandern durch die Welt

Great Smokey Mountains bis Hot Springs

 

24. Tag Great Smoky Mountains

 

Donnerstag, 10.04.

Erstaunlicherweise lagen die meisten Hiker schon um 21.00 Uhr im Schlafsack. Um 22.00 Uhr fing jemand draussen an, auf der Mundharmonika zu spielen. Und um 23.00 Uhr kam noch ein spaeter Wanderer herein, der sich seinen Schlafplatz hergerichtet hat. Ansonsten war es ruhig und angenehm in dieser Nacht.

Aber bereits um 5.00 Uhr frueh sind die ersten Wahnsinnigen aufgestanden. Es war noch stockfinster und bitterkalt draussen. Schlafen konnte ich zwar nicht laenger, aber ich habe mir noch 2 Stunden laenger den Schlafsack ueber die Ohren gezogen. Trotzdem ein frueher Start in den Tag.

Das Visitor-Center, wo ich auf Kaffee hoffte, hatte leider noch geschlossen. Passiere den Fontana Dam-Stausee und werfe mein Permit, die Durchgangserlaubnis, in den Kasten am Eingang zum Great Smoky Mountains National Park. Weil der Stausee im Kessel liegt, muss ich erstmal knapp 10 Meilen in die Hoehe aufsteigen. Aber die Wege sind sehr schoen, links und rechts sind blauer Himmel und Sonne zu sehen. Leider sind die Baeume immer noch kahl.

Auf dem Weg zum Doc Knob Mountain gibt es einen kleinen Seitenweg zu einem weiteren Feuerturm – natuerlich bergauf. Und dann 80 Stufen einer Leiter erklimmen, damit man von oben eine super Aussicht ueber die gesamten Great Smoky Mountains geniessen kann. Waehrend ich dort oben eine ausgedehnte Pause mache, haben mich 8 der anderen Hiker aus der Hilton-Shelter eingeholt. Aber ich packe schnell meinen Kram zusammen, bin vor denen wieder auf dem Trail und sehe sie auch den ganzen Tag nicht wieder.

Hier im Nationalpark leben viele Schwarzbaeren, die aber hier sehr scheu sind im Gegensatz zu denen im Shenandoah National Park. Man sieht nur ganz deutlich die vielen Spuren, die sie auf dem Weg hinterlassen. Zum Schutz vor den Baeren sind die Schutzhuetten in den Smokys mit dicken, schwarzen Plastikplanen zugehaengt, damit diese nachts nicht zu Besuch kommen.

Gegen 14.30 Uhr komme ich an die Mollies Ridge Shelter, wo wir schon vor 2 Jahren uebernachtet haben. Und da sitzt doch tatsaechlich derselbe Ridgerunner wie damals. Was fuer ein Job ! Er unterhaelt sich mit einem jungen Paar, welches hier die Nacht verbringen moechte. Wie, jetzt schon ? Ein paar Meilen gehen aber noch ! Der Ranger fragt mich nach meinem Namen und ob ich mein Permit eingeworfen habe. Ich erklaere ihm, dass ich nicht dableiben moechte, sondern bis zur naechsten Shelter laufe. In Gedanken fuege ich hinzu : oder bis zur uebernaechsten vielleicht.

Genau das schaffe ich auch bis 18.00 Uhr. Etwas abseits vom AT beziehe ich Quartier in der Spence Field Shelter. Von den anderen Bekannten aus der letzten Nacht ist nur ein junger Mann hier. Er erzaehlt mir, dass er schon um 5.45 Uhr losgelaufen ist. Dafuer war er jetzt eine Stunde vor mir hier. Die anderen Mit-Wanderer sind alle auf der Strecke geblieben, zu weit ist die Entfernung fuer Anfaenger. Immerhin 16,7 Meilen plus Umwege, dafuer war ich 9,5 Stunden auf den Beinen. Habe Hunger wie ein Wolf ! Nach dem Abendessen koche ich mir zum 1. Mal einen grossen Topf Ostfriesentee. Schmeckt lecker und waermt.

Wie der morgige Tagesplan aussieht, da bin ich mir noch nicht ganz schluessig. Eine Shelter liegt in 13,5 Meilen Entfernung, das ist mir eigentlich zu wenig. Was soll ich denn schon um 15.00 Uhr an einer Shelter ? Die andere Moeglichkeit waere 20 Meilen weit entfernt. Das moechte ich mir dann doch lieber nicht vornehmen, zumal auf dem letzten Stueck dann noch der hoechste Punkt des ganzen Appalachian Trails liegt.

 

25. Tag Clingmans Dome

 

Freitag, 11.04.

Kaum war es gestern dunkel in der Shelter, da ging das Geknusper der Maeuse schon los. Naja, mein Proviant war es nicht, ich haenge meinen Futterbeutel immer baeren- und maeusesicher auf. In der Nacht wehte ein heftiger Wind, deswegen war ich ganz froh ueber den dicken Plastik-Vorhang. Habe trotzdem wieder mit Muetze und Handschuhen geschlafen. Bin davon aufgewacht, dass meine Nasenspitze eiskalt war. Ohne mein Thermarest-Inlet waeren die Temperaturen nachts kaum auszuhalten.

Der Rummel geht wieder frueh los. Ich starte um 8.15 Uhr auf den Trail, bis dahin habe ich sogar schon warm gefruehstueckt.

Mein Tag ist klar strukturiert, denn ich laufe immer von einer Wasserquelle bis zur naechsten, die heute in gutem Abstand voneinander verteilt sind. Muss also immer nur eine Flasche Wasser tragen. Vorbei geht’s an der 1. und an der 2. Shelter. Bei der naechsten muss ich mich entscheiden. Es ist 16.00 Uhr, und ich habe bis hierhin 13,5 Meilen zurueckgelegt. Fast alle bleiben hier, aber mir ist es noch zu frueh fuer geselliges Beisammensein. Also weiter, noch 3 Meilen bis zum Clingmans Dome.

Das Gesicht des Waldes veraendert sich. Neben den braunen Baumstaemmen breitet sich immer mehr Fichtenwald aus. Schoen, mal wieder etwas Gruenes zu sehen ! Und es duftet ganz wunderbar nach Fichtennadeln.

Auf diesem letzten Abschnitt liegt noch Schnee in den Ecken, aber der Weg ist frei. Gegen 18.00 Uhr komme ich am hoechsten Punkt des Appalachian Trails an, der auf 6655 Fuss Hoehe liegt. Erstmal Hunger ! Ich koche mir etwas Warmes zu essen, bevor ich frisch gestaerkt auf den Turm steige. Das Wetter ist schoen, man kann weit in alle Richtungen ueber die Great Smoky Mountains blicken.

Nach einer langen Pause muss ich noch ein letztes Mal den Rucksack schultern und 4 Meilen weiter bis zur letzten Shelter laufen. Die liegt dummerweise auch noch eine halbe Meile vom Trail weg.

Inzwischen wird es richtig dunkel, der Wald erscheint mir heute ein bisschen gruselig. Selbst mit Stirnlampe ist der Weg auf diesem sehr feuchten und schwarzen Abschnitt schwer zu erkennen. Als ich gegen 21.00 Uhr an der Shelter ankomme, da habe ich tatsaechlich 20,5 Meilen geschafft. Dafuer habe ich den ganzen Tag geackert.

Weil ich ja schon am Clingmans Dome gekocht habe, muss ich nur noch meinen Futter-Beutel an die Kabel haengen, Zaehneputzen und mein Lager herrichten. Kein soziales Leben mehr, auch keine Lust mehr zum Schreiben. Ich bin nur noch muede, aber meinen Fuessen und Beinen geht es erstaunlich gut. Habe mir einen Sonnenbrand im Gesicht geholt, weil die Sonnencreme ganz unten in meinem Rucksack verkramt war und ich zu faul, sie herauszuholen.

 

26. Tag Gatlinburg

 

Samstag, 12.04.

Die Nacht war okay, angenehme Gesellschaft, immer noch sehr kalt.

Um 5.00 Uhr morgens ging wieder der Betrieb los. Da ich sowieso nicht mehr einschlafen kann, habe ich diesmal mitgemacht und laufe schon um 6. 00 Uhr mit Stirnlampe den dunklen, matschigen Weg bis zum AT zurueck. Habe meine Zahnbuerste vergessen, weil ich kein Licht in der Shelter anmachen wollte, um die Anderen nicht zu stoeren.

Der Wald ist stockschwarz und modderig. Man muss gut aufpassen, dass man den Trail findet, denn links und rechts gehen seitlich Wasserspuren ab, die man genau so gut fuer einen Weg halten koennte. Ab 7.00 Uhr wird es hell. Es herrscht eine friedliche Morgenstimmung, einige Voegel zwitschern bereits. Eigentlich ist es ganz schoen, so frueh alleine durch den Wald zu laufen.

Weil ich gestern schon so weit gekommen bin, habe ich heute nur 5 Meilen vor mir bis zum Newfound Gap. Da wartet schon ein anderer Fruehaufsteher. Daumen ‚raus, Auto haelt. Perfekt ! Auf der offenen Ladeflaeche kauernd gibt es eine zugige Fahrt ins 15 Meilen entfernte Gatlinburg. Der aeltere Herr haelt sogar zwischendurch kurz an, um uns das Visitor-Center zu zeigen. Dann macht er noch einige Erinnerungsfotos von uns exotischen Hikern und notiert sich unsere Namen und wo wir herkommen.

Gatlinburg ist ein Touristen-Mekka mit 5000 Einwohnern, unzaehligen Restaurants und Attraktionen. Total verrueckt und schrill – ich weiss noch nicht so wirklich, ob mir das gefaellt oder nicht.

Da es zum Einchecken noch zu frueh ist, gehe ich erstmal ins Flapjack. Da gibt es eine Thermoskanne voll Kaffee und einen Berg Pfannkuchen mit Blaubeeren, den ich nicht schaffe. Das alles fuer nur 10 Dollar, das sind ungefaehr 7,50 Euro.

Fahre am Nachmittag mit einem Trolley-Bus ‚raus aus der Stadt nach Food City. Der riesige Laden mit seinem Ueberangebot nervt mich total ab. Immerhin Proviant fuer 4 Tage eingekauft, und eine neue Zahnbuerste ist auch dabei.

 

27. und 28. Tag Gatlinburg

 

Sonntag, 13.04.

Das Internet bei mir im Hostel funktioniert nicht mehr. Dafuer und zum Telefonieren muss ich jetzt zum Outfitter-Laden ganz in der Naehe fuer WIFI. Dabei kann ich mich gleich fuer einen kostenlosen Shuttle am Dienstag zurueck zum Newfound Gap eintargen.

Wollte wieder im Flapjack fruehstuecken gehen, aber draussen warten schon etwa 30 Personen darauf, dass Tische freiwerden. Vielleicht doch keine so gute Idee am Sonntag.

Dafuer gibt es zur Mittagszeit Cheeseburger und Pommes bei Wendys. Den Salat schaffe ich nicht mehr, den nehme ich fuer’s Abendessen mit.

Wasche und trockne meine wenigen Klamotten, danach mache ich einen kleinen Bummel durch die winzigen Gassen des Ortes.

Nach und nach trudeln einige bekannte Gesichter ein, die sich auch im Grand Prix Motel einmieten.

Abends gibt es 2 Folgen „Indiana Jones“ im Fernsehen – da kann ich folgen, weil ich die Filme kenne.

 

Montag, 14.04.

Ich geniesse mein weiches, warmes Bett und habe tatsaechlich bis 9.20 Uhr durchgeschlafen. Schnell einen Kaffee und einen Joghurt, dann mache ich mich auf zur Trolley-Haltestelle. Muss dort eine halbe Stunde auf einen der kleinen Busse warten und habe dann noch mehr als eine Stunde Fahrt vor mir. Die library liegt, wie meistens, sehr weit ausserhalb des Ortes. Kostet viel Zeit, aber bietet gutes Internet, die homepage ist aktualisiert. Fotos einstellen klappt leider auch hier nicht, das wird irgendwann nachgeholt.

 

29. Tag Gatlinburg

 

Dienstag, 15.04.


6.30 Uhr aufgestanden, geduscht und meinen Rucksack gepackt. Tuer auf – nein ! Es giesst so stark, dass die Strassen schon unter Wasser stehen. Ueber den Bergen ist alles schwarz, das sieht nach mehr aus. Es macht keinen Sinn, bei diesem Wetter loszulaufen. Dazu gibt es eine Frost-Warnung fuer die kommenden 2 Naechte.

Schnell zum NOC, um meinen 10.00 Uhr-Shuttle abzusagen. Ich bleibe und mache einen Gammeltag. Es regnet den ganzen Tag ununterbrochen weiter bis um 18.00 Uhr. Das ist DIE Gelegenheit, mal eben zum Pizza Hut ‚rueberzulaufen. Dann die Heizung an, der Fernseher laeuft ( Forrest Gump ).

Es gibt Pizza und heisse Schokolade im Bett. Gute Entscheidung ! Der Wetterkanal am Abend spricht von “ record rainfalls „.

 

30. Tag Eis und Schnee auf dem Trail

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Mittwoch, 16.04.


Blauer Himmel, Sonnenschein und 0 Grad. Bin heute voll motiviert. Quaele mir zum Fruehstueck die Reste der Pizza von gestern ‚rein. Obwohl in der Mikrowelle warmgemacht, ist das nicht gerade meine Lieblingsspeise am Morgen. Aber eine gute Grundlage. Mein Rucksack fuehlt sich an, als haette ich Steine geladen. Der ganze Proviant fuer die 5 Tage bis Hot Springs !

Am NOC stehen ein paar Bekannte aus meiner 1. Shelter nach Hiawassee. Die sind jetzt genau da, wo ich auch bin. Dabei hatte ich in der Zwischenzeit 5 komplette off-days, an denen ich nicht eine Meile auf dem AT gelaufen bin.

Der Clingmans Dome ist wegen Schnee gesperrt. Einige Hiker muessen warten, bis die Strasse dorthin wieder freigegeben wird. Da habe ich Glueck gehabt, dass ich schon vor einigen Tagen bei allerbestem Wetter dort oben war. Waehrend wir noch auf den Shuttle warten, bietet sich ein netter Opa an, ein paar Hiker zum Newfound Gap zu bringen, wo der Trail weitergeht. Bin dabei. Aus dem Auto heraus sehen die Great Smoky Mountains aus wie ein Winter-Wunderland.

Um 11.00 Uhr sind wir oben. Dort am Besucher-Parkplatz verlaeuft auch die Grenze zwischen North Carolina und Tennessee. Gatlinburg lag in Tennessee.

Au weia – der Weg ist vereist. Durch den starken Regen gestern und den Frost in der Nacht hat sich der Trail in eine Eisbahn verwandelt. Das finde ich nun gar nicht lustig. Man kann keine grossen Schritte machen, immer nur schoen langsam und vorsichtig vorantasten. Die ersten 4 Stunden geht es abwechselnd durch Schnee und ueber Eisflaechen. Einmal rutsche ich aus, mein Rucksack zieht mich nach hinten, und ich lande platt auf dem Hintern. Nur im Schnee, ohne Schmerzen, aber die Hose ist patschnass.

Am Nachmittag hat die Sonne genug Kraft, um die weisse Pracht zum Schmelzen zu bringen. Immer wieder fallen Schneelawinen oder dicke Eisbrocken von den Baeumen herunter. Das fuehlt sich an wie eiskalte Dusche. Der Weg wird matschig. Von nun an laufe ich durch hohen Schlamm oder fliessendes Wasser. Die Schuhe sind durch.

Bei einer Pause an den Eagle Rocks sehe ich, dass meine Fuesse bereits total verschrumpelt und aufgequollen sind. Oh, das ist gar nicht gut, das gibt Blasen. Bleibe also etwas laenger sitzen und esse mein erstes Snickers auf diesem Trail. Davon haben wir im Jahr 2012 bestimmt jeder mehr als 100 Stueck verdrueckt. Ich konnte diese so wichtige Trail-Nahrung zum Schluss nicht mehr sehen. Immerhin 250 Kalorien fuer mich und 52,7 Gramm weniger im Gepaeck. Dann wechsele ich noch die Socken, obwohl die neuen natuerlich auch gleich wieder feucht sind. Aber ein bisschen hilft das auf jeden Fall.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, so gegen 20.00 Uhr, erreiche ich die Tri-Corner-Knob-Shelter. Mein Nacken und die Schultern schmerzen, denn ich habe heute sicherlich 2 Kilo mehr als sonst ueber die Berge getragen.

Bin sehr froh, dass ich es noch bis hierhin geschafft habe. Trotz des spaeten Starts und der widrigen Verhaeltnisse auf dem Trail sind wieder 15,6 Meilen Richtung Norden geschafft.

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31. Tag Ende der Smoky Mountains

 

Donnerstag, 17.04.


Die Nacht war gut. Es herrschte frueh Ruhe, angenehme Gesellschaft, keine Schnarcher. Meine duenne Iso-Matte wird immer bequemer. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich jetzt wirklich immer von morgens bis abends laufe. Als ich aufstehe, zeigt das Thermometer in der Shelter  – 2 Grad an. Meine gestern noch feuchten Socken sind steif gefroren.

Starte um 7.30 Uhr erstmal dick angezogen, um auf Temperatur zu kommen. Der Weg ist wieder vereist, aber diesmal geht es etwas besser, denn die Hiker von gestern haben viele Spuren hinterlassen. Nach gut einer Stunde finde ich einen wirklich schoenen Platz zum Fruehstuecken. So gerade, dass ich sogar meinen Jetboil aufstellen und mir einen grossen Topf Tee kochen kann. Der geht besser ‚runter als das eiskalte Wasser. Die ersten Sonnenstrahlen scheinen durch die Baeume.

Ein Mann kommt vorbei, der sich als Deutscher zu erkennen gibt. Er ist eine Woche nach mir gestartet und erzaehlt mir, dass er in der Nacht vor Neel Gap ( also Ende seines 3. Tages ) – 7 Grad hatte. Das habe ich gar nicht mitgekriegt, zu der Zeit habe ich in Hiawassee meinen kranken Fuss hochgelegt.

Das Wetter bleibt den ganzen Tag sonnig. Leichtes Gelaende – easy going. Dann passiere ich die Davenport Gap Shelter und laufe noch 2 Meilen weiter. Damit bin ich ‚raus aus dem Great Smoky Mountains National Park und kann jetzt wieder mein Zelt aufstellen, wo ich will. Nun brauche ich nur noch Wasser, um unabhaengig zu sein. Der kleine Fluss kommt genau an der Stelle, wie mein Buch es angegeben hat. Rundum etwas flaches Terrain und ein super-bequemer Sitzstein. Prima, dann kann ich ja gleich hier kochen. Es gibt die allseits beliebten 3-Minuten-Ramen-Nudeln, diesmal mit Kartoffelpuerree und Parmesankaese angereichert. Als der Topf leer ist, habe ich das Gefuehl, nochmal das Gleiche essen zu koennen. Also gibt es noch Clementinen zum Nachtisch, die muss ich dann morgen auch nicht mehr tragen. Abwaschen, Rucksack packen. Es ist erst 18.00 Uhr, und ich bin schon 16,7 Meilen gelaufen.

Werde mich gleich nach einem Platz fuer die Nacht umsehen. Zunaechst geht der Weg eine ganze Weile am Fluss entlang weiter. Sehr schoen ! Dann muss ich einen Highway ueberqueren, ein Stueck Strasse gehen und unter einer Autobahn-Bruecke durchlaufen. Das gefaellt mir gar nicht. Endlich fuehrt der AT ueber eine steile Steintreppe nach oben wieder in den Wald hinein. Jetzt noch schnell weg vom Verkehrslaerm und um 19.00 Uhr Feierabend. Das waren schon wieder 18,6 Meilen, und das ohne Stress mit 4 langen Pausen. es sind nur noch 33 Meilen bis nach Hot Springs. Freue mich auf diese niedliche Stadt, die direkt auf dem Trail liegt.

 

 

32. Tag Max Patch Summit

 

Freitag, 18.04.


Als ich morgens mein Zelt zusammenpacke, sehe ich die ersten Knospen an den Baeumen. Na, endlich ! Waehrend ich noch fruehstuecke, laufen ein paar Begleiter aus den letzten Shelter-Tagen an mir vorbei. Die sind gestern alle in der Standing Bear Farm abgestiegen, um dort im Schlafsaal zu uebernachten. Das ist nichts fuer mich. Ich bin froh, wieder alleine mein Zelt aufstellen zu koennen. Dieselben Gesichter sehe ich den ganzen Tag immer wieder. Entweder passieren sie mich oder ich laufe an denen vorbei. Einer der Jungens hat mir den Beinamen     „reliable “ gegeben. Auch wenn ich morgens noch gesagt habe, dass ich nicht so viele Meilen machen will wie sie, am Abend haben wir uns doch immer wieder am selben Platz eingefunden. Also komme ich, meistens spaeter, aber immer zuverlaessig dort an, wo die jungen Leute ihr weitgestecktes Ziel haben.

Der Trail fuehrt ueber den Snowbird Mountain. Zum Gipfel fuehrt eine kleine Forststrasse, und oben am Top gibt es Trail Magic. Ein Mann von der Feuerwehr steht da mit Camping-Stuehlen, Donuts und Cola. Ungeplante Pause, und weil ich alleine mit dem Feuerwehrmann sitze, muss ich mich morgens schon tuechtig unterhalten  🙂

Kurz darauf sehe ich mein erstes “ Deer „. Ein gewaltiges Exemplar dieser hier recht verbreiteten Hirsche springt vor mir ueber den Weg. Ich finde das nicht so wahnsinnig spannend, aber eine mir entgegenkommende Hikerin ist ganz aufgeregt deswegen.

In der Mittagspause entdecke ich eine neue Blase am kleinen Zeh, die sofort verarztet wird.

Treffe nochmal den Ranger von letzter Woche. Er will wissen, wie ich die letzten kalten Naechte ueberstanden habe. Sehr nett und besorgt . Er laueft jeden Tag denselben Weg ab, um die Shelter zu kontrollieren und eventuell dort liegengebliebene Sachen einzusammeln.

Naechste grosse Tagesaufgabe ist der Max Patch Summit mit 4629 Fuss Hoehe. Der ist ebenfalls ueber eine asphaltierte Strasse mit dem Auto zu erreichen. Direkt hinter der Fahrbahn steht eine weisse Kuehlbox. Leider leer, nur noch der Abfall der Trail Magic liegt darin. Bin wohl zu spaet.

Oben auf dem Gipfel des Max Patch Summit faengt es leicht an zu regnen. Schnell weg hier ! Aussicht gibt es sowieso keine, der Himmel ist bedeckt, und es weht ein kalter Wind dort oben. Von da aus sind es nur knapp 2 Meilen bis zur Roaring Fork Shelter, wo wir vor 2 Jahren erst um 22.30 Uhr angekommen sind. Vom Gipfel aus geht es ueber schmale Wege, durch Morast, immer weiter verschlungenen Pfaden folgend. Dann durch mehrere Zaunpfosten hindurch, auf der anderen Seite des Zaunes entlang, durch dunkle Hecken von Rhododendron und immer wieder ueber kleine Baeche und durch Matsch. Es erscheint mir wie ein Wunder, dass wir diesen Weg zur Shelter damals in der Finsternis gefunden haben. Diesmal laufe ich dran vorbei, denn es ist erst 17.00 Uhr. Ich komme mir vor wie in einem Urwald. Es ist dunkel und sehr feucht hier, ueberall um mich herum liegen umgestuerzte Baumstaemme. Einige provisorische Bruecken muessen ueberquert werden, was nicht immer trocken gelingt.

Laufe noch am Lemon Gap vorbei, wo sich wieder ein paar Bekannte in geselliger Runde mit ihren Zelten aufgebaut haben. Eine Meile weiter finde ich einen versteckten Platz auf der anderen Seite eines kleinen Flusses. Ziemlich eng hier, eine hintere Ecke des Zeltes steht im Matsch. Zu viel darf der Wasserspiegel in der Nacht nicht steigen, dann gibt es nasse Fuesse.

Als ich im warmen Schlafsack liege, hoere ich von der nur eine halbe Meile entfernten Shelter Musik und Gesang. Da bin ich ja wieder froh, dass ich nicht dabei bin ! Neben mir das Rauschen des Bachs ist einschlaefernd. Und mein Magen knurrt ! Dabei habe ich doch gerade eben erst warm gegessen.

Bin wieder gut vorangekommen und habe 19,2 Meilen geschafft. Das bedeutet, morgen kann ich mir einen chilligen Tag mit wenig Laufstunden machen. Bis nach Hot Springs sind es nur noch 13,7 Meilen, aber soweit moechte ich gar nicht, weil ich lieber erst Sonntag zum Fruehstueck dort ankommen moechte. Das spart eine Uebernachtung im Hostel.

 

33. Tag Trail Magic im Regen

 

Samstag, 19.04.


Habe wunderbar ungestoert geschlafen. Als ich um 5.45 Uhr zum ersten Mal wach werde, da ist es draussen noch trocken, aber zu frueh zum Aufstehen. Das naechste Mal werde ich um 7.30 Uhr wach, da prasselt der Regen auf’s Zelt. Ich bleibe deswegen noch weitere 3 Stunden liegen, bis das Schlimmste vorbei ist. In meinem engen Zelt alles in den Rucksack packen und mich wasserdicht anziehen, das ist eine Kunst fuer sich. Aber auch darin habe ich inzwischen eine gewisse Routine entwickelt.

Der Baumstamm, der gestern noch als Bruecke diente, wurde ueber Nacht weggespuelt. Also muss ich springen. Klappt wunderbar, keine Probleme mehr mit dem Knoechel.

Der Trail ist nass und matschig. Nach einer halben Stunde hoert auch der Nieselregen auf. Ich muss anhalten und ‚raus aus meinen Regenklamotten. Schwitze mich tot in dem Zeug.

Am Wegesrand ist das erste zarte Gruen zu sehen. Fruehlingsblumen bluehen zu beiden Seiten, und ich kann eine Menge Eichhoernchen beobachten. Sind die endlich aus dem Winterschlaf erwacht ?

Kein Mensch ist in meiner Richtung unterwegs. Wahrscheinlich sind die alle schon an mir vorbei, waehrend ich im Zelt auf ein Ende des Regens gewartet habe.

Nach 2 Stunden ist es leider vorbei mit der Hoffnung auf Wetterbesserung. Ausgerechnet waehrend meiner Mittagspause faengt es wieder an zu troepfeln. Ich muss mir zwischen zwei Tortilla-Wraps meine Regenhose und -jacke anziehen. Fuer den Rest des Nachmittags hoert es nicht mehr auf. So hatte ich mir den Tag mit wenig Laufstunden nicht vorgestellt.

Am Garenflo Gap endlich eine willkommene Abwechslung : 2 Thru-Hiker aus dem Jahr 2012 stehen dort und bieten das volle Programm. Mit einem von den beiden haben wir sogar damals fuer eine Nacht die Shelter geteilt. Trail-Magic mit frischem Obstsalat und kalten Getraenken. Es gibt sogar Bier und Whisky. Wer will, der kann eine Pfeife rauchen. Nein, danke. Nach Obstsalat und Cola fuehrt der Typ mich auf der anderen Seite der Strasse ein Stueck den Hang hinauf. Da stehen schon ein paar Zelte von Hikern, die den Absprung nicht mehr schaffen und hier den Tag beenden wollen. Und auf einem Lagerfeuer brodelt ein grosser Topf mit vegetarischer Suppe. Es schwimmen undefinierbare Sachen darin herum, schmeckt aber lecker. Nach der Suppe wird noch ein Kaffee angeboten.

Waehrend wir dort im Regen stehen und ueber Trail-Erlebnisse plaudern, kommt ein Ridgerunner aus dem Wald. Er berichtet uns, dass er soeben 3 Baeren ganz in der Naehe gesehen hat. Ob die wohl auch Veggi-Suppe haben wollen ?

Irgendwann schaffe ich es, mich von der inzwischen ganz lustigen Gesellschaft zu verabschieden.Stapfe noch weitere 3 Stunden durch den Regen und an der letzten Shelter vor Hot Springs vorbei. Eigentlich wollte ich gerne dort uebernachten, weil ich keine Lust hatte, mein ohnehin schon nasses Zelt im Regen auf nassem Untergrund aufzubauen. Aber die Shelter ist klein, nur fuer 6 Personen gedacht. Bei der Trail Magic wurde erzaehlt, dass schon 8 Hiker vor mir durchgekommen sind. Dazu die 4 Leute, mit denen zusammen ich dort gestanden habe. Wird wahrscheinlich voll sein, denke ich mir. Es stehen auch schon ein paar Zelte drumherum, aber das kann ich ueberall haben.

Nach einer weiteren Stunde kann ich die Haeuser von Hot Springs sehen. Bin gleich da, es wird Zeit, einen Platz fuer die Nacht zu finden. Und ich habe Glueck ! Ungefaehr eine Meile vor der Strasse zum Dorf gibt es eine ganz passable Stelle. Fast gleichzeitig stoppt auch der Regen. Nochmal Schwein gehabt ! Baue schnell mein Zelt auf, welches so in der naechsten Stunde noch fast trocken wird.

Ich beende diesen regenreichen Tag gegen 20.30 Uhr mit nur 13 gelaufenen Meilen. Unter mir sehe ich die Lichter von Hot Springs, hoere Musik aus dem Dorf, und manchmal rattert mit lautem Tuten ein Zug vorbei. Die Zivilisation ist schon ganz nah.

 

34. Tag Hot Springs

 

Sonntag, 20.04.


Habe morgens nur eine halbe Stunde zu laufen und erreiche das 1. Hiker-Hostel schon vor 9.00 Uhr. Dort gibt es eine Einzelzelle fuer 25 US$ – aber es steht wirklich nur ein Bett drin, sonst nichts. Wohnzimmer, Kueche und Bad werden gemeinschaftlich genutzt. Bin nicht so begeistert, aber lasse mir vorsichtshalber eine Reservierung machen. Dann gehe ich zunaechst einmal im 650-Seelen-Dorf fruehstuecken. Das Smoky Mountain Diner bietet 4 Ruehreier, dazu Potato Wedges und Toast mit Butter fuer nur 6 US$. Kaffee – wie immer – soviel man moechte. Guter Start in den Tag !

Dann frage ich im Hostel gegenueber nach einem Single-Room. Dort wird ein Mini-Raum mit Pritsche fuer Thru-Hiker zum Sonderpreis von 20 US$ angeboten. Aber auch hier bin ich nicht so richtig zufrieden. Zu viele Leute wuseln mir in der Gemeinschafts-Kueche herum. Das ist mir alles viel zu gesellig. Schliesslich entscheide ich mich fuer das etwas teurere Alpine Court-Motel. Hier habe ich ein richtig schoen eingerichtetes Zimmer mit eigenem Bad und Fernseher. Wie gut, dass ich mir diesen Luxus leisten kann ! Na, so teuer ist es nicht, aber die jungen Leute auf dem Trail muessen viel mehr auf’s Geld achten. Ist schon sehr angenehm, wenn man die Wahl hat und sich an den off-days richtig wohlfuehlen und entspannen kann.

Nach der dringend noetigen Dusche mache ich mich nochmal auf den Weg, um in den anderen beiden Hostels die Reservierungen abzusagen. Dann suche ich mir einen WIFI-Spot, aber das Internet laeuft hier im Dorf nicht besonders gut. Die Buecherei ist wegen Oster-Sonntag heute geschlossen.

Am Nachmittag stehen dann noch einige Hausarbeiten an : Zelt zum Trockenen aufbauen, die gesamte Ausruestung reinigen, Waschsalon und Einkauf fuer die naechsten 5 Tage.

 

35. Tag Hot Springs

 

Montag, 21.04.


Trotz Oster-Montag hat die Buecherei heute geoeffnet. Ich darf fuer 1 US$ unbegrenzte Zeit an den Computer, um meinen Blog zu schreiben. Leider wird meine Handy-Kamera auch hier nicht vom PC erkannt, es gibt immer noch keine Fotos.

War gerade beim Outfitter und habe mir ein paar Liners gekauft. Diese sehr duennen Struempfe werden unter den Wandersocken getragen und sollen helfen, Blasen zu verhindern.

Heute um 14.00 Uhr bietet das Hiker’s Ridge Ministries Resource ein kostenloses Mittagessen fuer alle Hiker an. Habe ich keine Lust drauf, denn ich kann von hier aus schon die ganze Meute dort Schlange stehen sehen. Aber dies ist wieder einmal ein Beweis fuer die Herzlichkeit und die wahnsinnige Hilfsbereitschaft der Menschen entlang des Trails ! Das ist eine meiner schoensten und wichtigsten Erinnerungen, die ich von unserem Thru-Hike 2012 mitgenommen habe.