Wir segeln und wandern durch die Welt

Hiawassee bis Fontana Dam

 

12. Tag Hiking on

 

Samstag, 29.03.                          

Heaviest rain ever – ever – ever !

Trotzdem quaele ich mich bis zur ersten Shelter, die natuerlich rappelvoll ist.

13. Tag – Snow in the morning

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Sonntag, 30.03.

Na, mein Bedarf an Shelter ist erstmal wieder gedeckt. Es war eng und kalt und hart. Gestern war noch lange munteres Geplauder im Gange, so dass an Schlafen nicht frueh zu denken war. Habe lange Tagebuch geschrieben und mich dann weiter mit Lesen beschaeftigt. Thoreau’s Walden – ziemlich zaeh, was der da so ueber Wald und die Natur philosophiert. Heute in der Nacht wusste ich dann auch, warum der Schlafplatz neben dem aelteren Mann als Einziger noch frei war : Zum Einen hat der neben mir so geschnarcht, als wollte er den ganzen AT abholzen. Und er litt ganz furchtbar unter Blaehungen, d. h. gelitten hat ja wohl nicht er, sondern eher die Anderen. Und ich direkt daneben – der Hauptgewinn sozusagen. Des Weiteren ein staendiges Husten, Rascheln, Lampe an, Pipi machen usw.

Und kann mir bitte mal jemand erklaeren, warum in einer Shelter die ersten Leute schon um 6 Uhr aufstehen, anfangen zu Knistern und sich so frueh schon unterhalten muessen ?  Dieselben Menschen sitzen dann 3 Stunden spaeter immer noch in geselliger Runde am Picknick-Tisch. Ich verstehe das nicht. Habe mir solange wie moeglich meinen Schlafsack ueber die Ohren gezogen und mich tot gestellt. Meine Haferflocken zum Fruehstueck habe ich ebenfalls noch im Schlafsack sitzend gegessen. Es ist wieder eisig kalt, deswegen mit Muetze, Handschuhen und Schal. Ich moechte gerne ein wenig Platz haben und in Ruhe mein Zeug packen, deswegen warte ich, bis um halb 10 endlich alle weg sind. Nur ein paar Zelte stehen noch ringsherum. Auf den Zelten liegt Schnee, auch der Waldboden rings um die Shelter ist weiss. Spaeter sehe ich weiter in der Hoehe sogar Eis.

Heute halte ich mich an meinen Plan : 1 Stunde Laufen, dann 1 Stunde Pause. Der Tag wird rundum schoen. In der Sonne Aufsteigen ist richtig warm, waehrend auf der anderen Seite der Bergflanke ein scharfer Wind weht und einen fast vom Weg pustet. Gegen Mittag passiere ich dann mein erstes Grenzzeichen. Habe Georgia nun hinter mir gelassen und befinde mich ab jetzt im Bundesstaat North Carolina. Als Naechstes muss ich auf den Bald Mountain mit 4666 Fuss hinauf, wo ich sogar Handy-Empfang habe. 2 kurze SMS nach Hause, dann geht leider nichts mehr durch.

Um 15.30 Uhr suche ich mir einen einsamen Zeltplatz auf weichem Laub und koche mir zum 1. Mal mit dem neuen Jetboil mein Abendessen. Es gibt Asia-Nudeln, angedickt mit Kartoffelpuerree. Das Teil funktioniert super, einfach und schnell. Daran kann ich mich gut gewoehnen. Nachdem das Zelt aufgebaut ist und der Futterbeutel in den Baeumen aufgehaengt ist, habe ich noch eine sonnige Stunde an meinem Platz. Bin sehr zufrieden mit der Situation, auch wenn ich heute nur 7 Meilen weitergekommen bin. Dafuer musste ich 4 Stunden Laufen, wahrlich kein Rekord. Aber ich fuehle mich wohl, bin sehr froh, wieder unterwegs zu sein. Meinem Fuss geht es so wie gestern, Knoechel ist leicht angeschwollen, aber es fuehlt sich okay an.

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14. Tag Beautiful Day

 

Montag, 31.03.

Knapp 30 Meilen bis Franklin. Das werden dann wohl mindestens noch 3 Tage sein. Aber macht nichts. Ich habe genug Proviant dabei, und das Wetter soll sonnig bleiben. Eigentlich ist es ja auch voellig egal, ob ich mein Zelt noch 4 oder 5 oder 6 mal aufstellen muss, bevor ich wieder in die Stadt komme.

Ich mache weiter wie bisher, langsam und vorsichtig zum Drangewoehnen. Bevor ich nicht schmerzfrei bin, werde ich keine Wahnsinns-Etappen laufen.

In der Nacht hatte ich einen tierischen Traum: “ Bin von Schnueffeln und Stubsen am Moskitonetz, wo ich immer mit dem Kopf liege, wachgeworden. Da stehen 2 Schwarzbaeren, nicht besonders gross, direkt an meiner Zeltwand. Oh, da faellt mir ein, dass ich aus Versehen ja noch ein Stueck Brot im Schlafsack habe. Hole es heraus, oeffne den Reissverschluss des Moskitonetzes einen Spalt und fuettere den einen Baeren mit der Hand wie einen Hund. Dann trotten die Beiden wieder davon. Ich weiss nicht, ob sie geteilt haben.“

Der Tag faengt schon gut an. Das Zelt ist trocken und hinter den kahlen Baumwipfeln steigt langsam die Sonne auf. Habe in mehr als 4500 Fuss Hoehe mein Lager aufgestellt, so dass es beim Aufstehen noch empfindlich kalt ist. Links und rechts am Berghang, da wo die Sonne gestern am Tage nicht hingekommen ist, da liegt noch Schnee. Dicke bis zu 20 Zentimeter lange Eisapfen haengen an manchen Felswaenden. Aber es wird schoen, so wie ein richtiger Fruehlingstag sein sollte. Laufen kann ich heute noch besser, die Langsamsten auf dem Trail kann ich schon wieder ueberholen.

Die erste Pause mache ich am Deep Gap. Bis dahin bin ich schon 5 Meilen in 2 Stunden gekommen. Dort entferne ich die Fussbandage. Sie scheint mir zu eng zu sein, weil der Fuss noch geschwollen ist. Ausserdem will ich langsam die Muskeln wieder trainieren. Au fein, am Deep Gap gibt es sogar Muelltonnen. Das ist ja praktisch, dann muss ich meinen seit 3 Tagen gesammelten Muell nicht bis nach Franklin tragen. Eine Menge Leute machen dort Rast, vermutlich irgendwelche Wandergruppen. Der Platz ist sehr schoen, aber ich verkuerze meine Pause etwas, um vor denen wegzukommen.

Zur Belohnung darf ich dann volle 3 Stunden ganz alleine durch den Wald marschieren, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Es wird richtig warm, man kann das 1. Mal im T-Shirt laufen. Und ich sehe die ersten Osterglocken bluehen, fast wie zu Hause.

Es geht den ganzen Tag ueber einfaches Gelaende. Die einzigen Herausforderungen heute sind der Aufstieg auf den Standing Indian Mountain mit knapp 5000 Fuss Hoehe und die Ueberquerung eines kleinen Flusses. Da liegen zwar ein paar Trittsteine und morsche Baumstaemme im Wasser, aber ich bin unsicher. Bin immer noch supervorsichtig und habe Angst vor einem Ausrutschen. Springen kann ich auch noch nicht. Also waehle ich einen sehr umstaendlichen und sicher nicht besonders eleganten Weg, um den Strom zu ueberqueren. Geschafft !

Als meine Uhr langsam Richtung Feierabend zeigt, da gibt es leider weit und breit keine ebene Stelle, um mein Zelt aufzuschlagen. Links und rechts nur stele Haenge, Rhododendron-Tunnel, alles total zugewachsen und verwurzelt. Schliesslich steige ich mit meinem ganzen Gepaeck einen steilen Hang hinauf in der Hoffnung auf einen geraden Platz fuer mein Mini-Zelt. Den finde ich aber auch hier oben nicht. Ich habe keine Lust, wieder herunterzusteigen und weiterzusuchen. Also waehle ich einen Platz, der nur ein bisschen schraeg ist und direkt neben 2 Baeumen, die mich vor dem Bergab-Rutschen bewahren werden. War schwierig aufzustellen und sieht kurios aus. Waere eigentlich ein Foto wert gewesen, aber das Handy ist ausgestellt, weil der Akku schon halb leer ist und noch bis Franklin halten muss.

Habe mir heute 5 Laufstunden erlaubt, denn ich will es ja nicht gleich wieder uebertreiben. In dieser Zeit bin ich ungefaehr 11 Meilen weitergekommen ( weiss nicht so genau, wo ich bin ).

Abends hatte ich dann richtig Appetit auf Hiker-Food. An Kochen ist hier an diesem steilen Berg nicht zu denken. Also gibt es Tortillas mit Tunfisch und Kaese, eine sehr gute Alternative.

Gleich ist es 18.00 Uhr, und es wird schon wieder empfindlich frisch. Muss noch den Baerenbeutel aufhaengen, das Zelt einraeumen, Zaehneputzen und dann ab in den Schlafsack.

15. Tag Albert Mountain and Fire Tower

Dienstag, 01.04.

Die letzte Nacht habe ich ziemlich gemuetlich verbracht. Auf jeden Fall war die Temperatur angenehm, zum 1. Mal keine kalten Fuesse. Und ich habe sozusagen unverrutschbar freischwebend in meinem Zelt gehangen, das war auf jeden Fall weicher als der Boden. Wer mein Zelt nicht kennt, der muss sich das so vorstellen : An den Seiten befinden sich Netze zur besseren Belueftung. Eine Seitenlaenge hatte wegen des Abhangs keinen Bodenkontakt und hing quasi etwas in der Luft. Da hinein ist die Iso-Matte gerutscht, auf der ich gelegen habe. Gestuetzt und gehalten wurde das Ganze durch die zwei dicken Baumstaemme laengsseits. Hat gut funktioniert, erst kurz vor’m Aufstehen hat sich einer der vorderen Heringe aus dem Boden geloest.

Lange Zeit herrschte unheimliche Stille. Ich haette nie gedacht, dass es nachts im Wald so ruhig sein kann. Dann setzten irgendwann ganz in der Naehe unheimliche Schreie ein. Das ging eine lange Weile so, waehrend der ich raetselte, was fuer ein Tier so schreit. Inzwischen tippe ich auf einen Riesen-Uhu, so einen haben wir mal auf dem Trail gesehen, der war annaehernd einen Meter gross.

Bis zum Mittag bin ich schon 7 Meilen in knapp 3 Stunden gelaufen. Geht gut, es zwickt manchmal noch ein bisschen, aber ich habe deutlich weniger Schmerzen. Am Mooney Gap ( wo ich auf Trail-Magic hoffte, aber leider nichts ) mache ich eine lange Pause in der Sonne. Hatte gerade mein aermelloses T-Shirt angezogen, da habe ich ruckzuck schon wieder 3 Mueckenstiche. Oh nein, sind die schon so frueh im Jahr aktiv ? Dann lieber wieder langaermelig und Schwitzen. Meine groessten Feinde auf dem AT sind Muecken, Stechfliegen und Zecken.

Danach ist ein steiler Aufstieg auf den Albert Mountain mit 5250 Fuss Hoehe zu bewaeltigen. Ganz schoen anstrengend in der Mittagshitze. Das letzte Stueck ist sogar eine richtige Kletterpartie ueber schroffe Felsen. Ein kleiner Vorgeschmack auf die White Mountains, die noch in so weiter Ferne liegen. Oben auf dem Top steht ein Feuerturm, da muss ich natuerlich auch hinauf. Es zieht ganz schoen in den Waden beim Erklimmen der vielen Treppenstufen. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Von dort oben habe ich zum ersten Mal eine schoene Aussicht, Rundum-Blick bei klarem Himmel und Sonnenschein.

Der weitere Wegverlauf ist easy-going ueber sanfte Waldwege, in Serpentinen immer um die Huegel herum. Unterwegs nahe einer Landstrasse liegen 2 Kanister mit Wasser und eine Dose Cola – leider leer. Schade, ich hatte mich schon gefreut. In diesem einfachen Gelaende macht das Laufen keine Schwierigkeiten, nur meine Schultern schmerzen vom Tragen. Gegen 16.00 Uhr beginne ich mit der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Aber es bietet sich wieder das gleiche Bild wie gestern : steile Haenge links und rechts, da ist nichts zu machen. Also marschiere ich immer weiter, bis ich schliesslich 15 Meilen auf dem Tacho habe. So weit wollte ich doch gar nicht gehen ! Aber fein, dann bin ich morgen frueh in der Stadt. Bis nach Franklin sind es jetzt nur noch 3 Meilen. Durch die lange Suche nach einem Campingplatz bin ich insgesamt 7 Stunden gelaufen. Der linke Knoechel ist wieder oder immer noch dick, aber ich denke, ich kann ab jetzt wieder normale Etappen planen.

Mein Zeltplatz liegt ganz oben auf einem Huegel, leider direkt am Weg. Fast gerade, viel weiches Laub als Untergrund. Ich warte noch mit Zelt-Aufbauen, bis es fast dunkel ist. Bis dahin habe ich 2 wunderschoene Stunden die Einsamkeit und die letzten Sonnenstrahlen geniessen koennen. Bin heute den ganzen Tag lang nur 4 Menschen auf dem Trail begegnet, die etwa mein Tempo hatten. Fein, so gefaellt mir das.

 

16. Tag Breakfast in Franklin

 

Mittwoch, 02.04.

War das erste Mal schon um 5.45 Uhr wach und waere am Liebsten gleich los. Bis 7.00 Uhr haelt es mich noch im Schlafsack, dann wird es langsam hell. Bin vor 2 Wochen gestartet, da war es um 8.00 Uhr noch stockfinster. Toll, es wird wirklich Fruehling ! Ich kann die Autos auf der 3 Meilen entfernten Interstate hoeren. Oder, wie wir immer so sagten : Ich rieche schon den Kaffee.

Vor lauter Freude rolle ich schnell das Zelt zusammen und stelle dann fest, dass der Packsack innen drin liegt. Aber egal, das soll nachher sowieso nochmal ausgepackt und saubergemacht werden.

Habe mir einen Platz der Superlative fuer mein Camp ausgesucht ! Konnte ich doch gestern noch lange in der Sonne sitzen und deren Untergang ansehen, so kann ich heute frueh auf der anderen Seite des Berges einen grandiosen Sonnenaufgang bewundern. Einfach perfekt !

Der Weg bis zum Highway ist leicht und flott zu gehen, dafuer brauche ich nur knapp eine Stunde. Und sobald ich an der Strasse stehe, da haelt schon ein schickes Auto, um mich die 10 Meilen bis nach Franklin mitzunehmen. Ich brauchte noch nicht einmal den Daumen ‚rauszuhalten. Frauen-Bonus ?

Der aeltere Fahrer bringt mich genau dorthin, wo ich aussteigen moechte. Zum Coffee-House auf der Main-Street, da gibt es leckeren Kaffee und Blaubeer-Waffeln. Kaum stehe ich wieder auf der Strasse, da haelt eine nette Frau an und fragt, ob sie mich irgendwohin bringen kann. Nein danke, ich moechte lieber zu Fuss gehen und die Stadt auskundschaften. Franklin ist mit 3600 Einwohnern schon ein etwas groesserer Ort. Ich bummele die Hauptstrasse entlang und mache mich dann auf den Weg zum etwas ausserhalb gelegenen Hostel Sapphire Inn. Denke, da wird weniger los sein als im Hostel direkt gegenueber von Rockcafe und Outfitter. Auf dem Weg dorthin noch schnell ein paar Getraenke gekauft, Geld aus dem Automaten gezogen und dann eingecheckt fuer 2 Naechte.

Jetzt bin ich frisch geduscht, habe ausgepackt, mein Zelt gereinigt, die Waschmaschine laeuft.

Ich habe fuer die 40 Meilen von Hiawassee bis nach Franklin jetzt 5 Tage gebraucht statt der sonst normalerweise geplaten 3 Tagesetappen. Aber bin gut angekommen und habe insgesamt 120 Meilen auf dem Weg nach Maine geschafft, das sind ca. 190 Kilometer.

 

17. Tag Franklin off-day

 

Donnerstag, 03.04.

Die First Baptist Church bietet allen Hikern ein kostenloses Pfannkuchen-Schinken-Speck-Eier-Fruehstueck an. Ist ja wirklich nett und wird auch von vielen gerne angenommen. Allerdings kommt der Kirchen-Bus schon um 7.15 Uhr zum Abholen vor’s Hostel, und das ist mir viel zu frueh. Habe heute 2 Stunden in der library mit Internet verbracht. Von da aus war ich im Pizza-Hut, um Chicken Wings und frischen Salat zu essen. Danach bin ich zum Eagle Creek Outfitter, wo der Shuttle-Bus vom Hostel die Leute hinfaehrt und wieder abholt. Dort war ich auf der Waage, habe bereits 3 Kilo in 2 Wochen abgenommen. Dann musste ich noch mit zum WALMART, obwohl ich eigentlich gar nichts einkaufen wollte. Aber so hatte ich wenigstens eine Mitfahrgelegenheit fuer den Rueckweg. Habe 2 deutsche Maedels getroffen, Lisa und Jule, die mit ihren beiden Hunden den Trail laufen.

 

18. Tag Franklin off-day

 

Freitag, 04.04.

Fuer heute sind Gewitter und 80 % Chance auf Regen angesagt. Genau so sieht es auch aus am Himmel. Ich verlaengere meinen Aufenthalt hier um eine Nacht, denn das muss ich mir nicht freiwillig antun. Einkauf beim Dollar General und Essen von McDonalds. Abends kann ich nicht schlafen, weil es ueber mir die ganze Nacht sehr laut zugeht. Macht aber nichts, denn ich geniesse mein weiches Bett und habe mich langsam an das amerikanische Fernsehen gewoehnt.

 

19. Tag Ninas Geburtstag und voll verlaufen

 

Samstag, 05.04.

Nachdem uns der Shuttle-Bus vom Hostel am Eingang zum Trail am Winding Stair Gap abgesetzt hat, bin ich erst einmal ganz entschlossen 2 – 3 Meilen in die falsche Richtung gerannt. Mein Buch sagt : „Forest Road“ – auf der bin ich dann eine Stunde lang gelaufen und habe mich ueber diesen breiten Weg gefreut. Habe mich irgendwann gewundert, dass keine „White Blaze“ an den Baeumen zu sehen sind. Nach einer Stunde lange Pause, um abzuwarten, ob die anderen Hiker nachkommen. Keiner kommt ! Also bin ich wieder umgedreht und das ganze Stueck auf der Forststrasse wieder zurueck bis zum Ausgangspunkt. Hatte leider ganz zu Beginn einen White Baze uebersehen, der einen kleinen Abzweiger nach rechts bedeutete. Macht aber nichts. Das Wetter ist super, und ich bin total ausgeruht und voller Energie, obwohl im Zimmer ueber mir bis morgens um 5.00 Uhr eine laute Party tobte.

Am Winding Stair Gap war mittlerweile Trail Magic im Gange, aber ich bin dort nicht hin. Ich hatte sowieso viel zu viel Proviant im Rucksack, und ausserdem hatte ich noch keine einzige Meile in die richtige Richtung geschafft.

Start also erst um 13.45 Uhr. Nach weiteren 2 Stunden habe ich die ersten Hiker ueberholt, die mit mir morgens im Bus sassen. Die werden sich wohl gewundert haben, wo ich jetzt herkomme.

Am Nachmittag mache ich nochmal einen Umweg von einer halben Meile, um eine Picknick-Area mit trash-cans zu suchen. Ich hatte mir 2 Joghurts mit auf den Weg genommen, inzwischen aufgegessen, aber die leeren Becher sind schon doof im Rucksack. Schliesslich habe ich den Picknick-Platz nach langer Suche gefunden, nur gibt es dort leider keine Muelleimer. Aber ich mache dort eine schoene lange Pause in der Sonne und esse ganz zivilisiert am Picknick-Tisch.

Auf einem gepflasterten Weg zu einem Aussichtspunkt kommt mir ein Wanderer entgegen, der auch morgens mit im Bus gewesen und gleichzeitig gestartet ist. Er ist mit dem Fuss umgeknickt, will zurueck in die Stadt und ein paar off-days nehmen.

Abends komme ich am Wayah-Bald-Steinturm vorbei. Dort sind wir 2012 in Hagel und Schneeschauer nur vorbeigerannt. Heute sind die Temperaturen noch angenehm, obwohl es schon nach 19.00 Uhr ist. Es gibt sogar einen kleinen Zeltplatz direkt daneben. Ich ueberlege kurz, ob ich da mein Lager aufschlagen soll, aber entscheide mich dagegen. Ich vermeide Plaetze, die mit dem Auto erreichbar sind. Es ist Samstag-Abend, und wer weiss, ob nicht irgendwelche Verrueckten noch nachts hier hochfahren, um am Turm Radau zu machen. Ich glaube, mich zu erinnern, dass das Gelaende nach dem ersten Abstieg wieder flacher wird. Muss mich beeilen, denn die Sonne geht schon bald unter. Eine halbe Stunde spaeter finde ich einen schoenen Platz und baue mit dem letzten Tageslicht schnell mein Zelt auf. Gegessen wird im Dunkeln mit Stirnlampe. So spaet habe ich noch nie Feierabend gemacht, aber ich bin ja auch erst um 11.00 Uhr aus dem Hostel ‚raus und habe dann noch 5 Extra-Meilen gemacht. Gelaufen bin ich insgesamt ueber 15 Meilen, allerdings nur 10,7 auf dem AT in die richtige Richtung.

 

20. Tag Bald Mountain

 

Sonntag, 16.04.

Ich habe mir eine neue Kombination fuer die Nacht ausgedacht, und das war auch gut so : 2 lange Unterhosen, langes Unterhemd, Daunenjacke, Muetze und Handschuhe. Ich habe gut geschlafen und komme erst nach 9.00 Uhr aus dem Zelt. Der Himmel ist bedeckt, es ist frisch, aber trocken.

Der Weg ist ausgesprochen gut, mein Fuss macht keine Probleme. Ich bin wieder ziemlich alleine auf dem Trail. Am Burlington Gap steht eine grosse Dose mit getrockneten und gezuckerten Ananas-Scheiben. Nehme mir 2 Scheiben mit auf den Weg, die kann ich waehrend des Aufstiegs auf den Bald Mountain ( 5080 Fuss) gut knabbern. Nicht wirklich lecker, eigentlich nur suess, aber es ist eine willkommene Abwechslung.

Bevor es auf den naechsten Berg geht, erlebe ich noch eine kleine Trail Magic. Bin schon ein Stueck den Weg hinaufgestiegen, da kommt mir von oben ein Hiker entgegen und laedt mich zu einem kalten Getraenk ein. Das laesst man sich nicht zweimal sagen. Also den Rucksack und die Stoecke abgestellt und ein Stueckchen den Huegel wieder ‚runter bis zu seinem Wagen. Im Auto hat er eine grosse Kuehlbox mit Mountain Dew-Zitronenlimonade, die ich mit Genuss trinke. Seine Worte dazu : „It will kick you up to this mountain.“ Er ist selber schon den AT gelaufen und kann jetzt nur noch am Wochenende wandern. Hat heute morgen schon 10 Hiker erfreut, dann seinen Tagesausflug gemacht und verteilt nun seine Limo-Dosen an alle, die noch vorbeikommen. Waehrend wir mittlerweile zu viert dort stehen und quatschen, bekommt er einen Anruf von Miss Janet, die einen Hiker zu ihm nach Hause bringen will. Die wird uns wohl den ganzen Trail bis nach Maine mit ihrer Trail Magic und ihren Fahrdiensten begleiten. Es gibt unheimlich viele EX-Thru-Hiker, die der Appalachian Trail nicht mehr loslaesst und die immer damit in Verbindung bleiben.

Also den letzten Aufstieg fuer heute in Angriff nehmen. Oben auf dem Wesser Bald Mountain steht eine hoelzerne Aussichtsplattform, von der aus ich eine SMS senden kann. Danach beginnen 7 Meilen sehr steiler Abstieg bis zum Nantahala-Outdoor-Center ( NOC ), wo ich morgen frueh ankommen moechte. Ich kann mich noch gut erinnern, dass unsere Knie danach ganz schoen geknirscht haben. Deswegen waehle ich den „wohldosierten“ Abstieg, mache heute noch 3,5 Meilen bergab und habe morgen dann nur noch die Haelfte davon vor mir.

Ich finde genau zur richtigen Zeit einen guten Schlafplatz. Muss mein Zelt heute sorgsamer aufstellen und gut verspannen, denn es sind Gewitter und viel Regen vorhergesagt.

Insgesamt war ich heute 7 Stunden unterwegs und bin 14,3 Meilen weitergekommen.

 

21. Tag Nantahala Outdoor Center

 

Montag, 07.04.

Kaum lag ich gestern im Schlafsack, da fing es auch der Regen an. Und das nicht wenig – 14 Stunden Dauerregen ! Mein Zelt hat dichtgehalten – danke SIL-NET. Der Schlafsack und mein Kissen sind feucht, der Proviantbeutel ist durch, von aussen und von innen nass. Naja, ist ja nicht weit bis zum NOC. Zum Fruehstueck gibt es nur einen Muesliriegel und einen halben Liter Milch, den ich bis hierhin getragen habe und nicht weiter schleppen will.

Ein Wasserfall kreuzt meinen Weg, der normalerweise sicher trocken auf den Felsgraten zu ueberqueren waere, aber nach dem starken Regen in der Nacht nicht so leicht passierbar ist. Schuhe sind nass, aber das ist jetzt auch egal.

Puenktlich zur Mittagszeit erreiche ich das NOC und freue mich, dass das Restaurant schon geoeffnet hat ( im Buch steht: ab Mitte April ). Es gibt Hamburger mit Pommes und WIFI – juchhu !

Es regnet immer noch, die Berge sind von dunklen Wolken verhangen. Ich bin unschluessig, was ich nun machen soll. Habe keine Lust, in einem ueberfuellten Maenner-Schlafsaal zu uebernachten. Aber bei diesem Wetter weiterlaufen und ein nasses Zelt aufstellen, das macht auch keinen Sinn. Zum Glueck treffe ich die beiden deutschen Maedchen wieder, die mich netterweise in ihrem winzigen cabin mit aufnehmen.

Mache einen ewig erscheinenden Weg entlang einer vielbefahrenen Strasse, immer abwechselnd auf dem Highway oder im Morast, denn Fussgaenger-Randstreifen gibt es hier mal wieder nicht. Der kleine Lebensmittel-Laden ist teuer und schlecht sortiert, aber immerhin gibt es dort Schokolade.

Dann das Zelt zum Trocknen aufgehaengt, alles total matschig und siffig, und anschliessend ab unter die heisse Dusche, die sogar recht sauber ist. Danach fuehlt man sich wie neugeboren.

Auf dem Parkplatz sehe ich den Day-Hiker von gestern stehen, die Mountain Dew-Trail Magic. Kurz darauf treffe ich schon wieder Miss Janet und mache sie mit den beiden Maedchen bekannt.

Bin sehr froh, dass ich bei Lisa und Jule untergekommen bin und freue mich auf eine trockene und warme Nacht. Bekomme sogar eine eigene Matratze, waehrend die Beiden sich ein Lager teilen. Was fuer ein Luxus !

 

22. Tag Cheoah Bald Mountain

 

Dienstag, 08.04.

Wir stehen frueh auf und geniessen noch ein nettes Fruehstueck zu dritt. Es gibt griechischen Joghurt mit frisch geroesteten Cerealien, dazu eine Schale mit Melonenstuecken. Lecker !

Bevor wir uns verabschieden und getrennt auf den Weg machen, sehe ich den naechsten Verletzten-Ausfall. Ein Hiker, den ich schon mehrmals getroffen habe, kommt hereingehumpelt. Er hat sich den Fuss verknackst und braucht nun ebenfalls ein paar off-days. Das ist ja eine richtige Epidemie ! Ich vermute, es liegt daran, dass es in der Nacht und morgens frueh noch sehr kalt ist. Mache mich jetzt immer erst mit ein paar Dehn-Uebungen warm, bevor ich loslaufe.

Mein naechstes Ziel soll die Fontana Dam Shelter sein, auch “ das Hilton “ genannt. Bis dahin liegen 28 Meilen vor mir – 3 Tage oder vielleicht nur 2 Tage ? Es ist kuehl, aber halbwegs trocken. Ich hoffe auf Wetterbesserung …. Im Moment ist es kuehl, aber halbwegs trocken.

Heute muss ich mit 8 Meilen bergauf starten, es geht von 1749 Fuss auf den Cheoah Bald Mountain mit 5062 Fuss. Den gesamten Anstieg von fast 900 Hoehenmetern schaffe ich fast in einem Rutsch, nur einmal Pipi-Pause und einmal Wasserholen. Es ist anstrengend, aber ich strenge mich ja gerne an. Zwischendurch halte ich Zwiesprache mit dem Berg: “ Du schaffst mich nicht ! Ich gehe einfach immer weiter, und irgendwann bin ich oben.“ Werde ich jetzt etwa schon komisch, weil ich so lange alleine unterwegs bin ?

Nach 4 Stunden sind die 8 Meilen bis auf den Gipfel geschafft. Ich hatte mir eigentlich fuer oben eine lange Pause versprochen, aber nach einer guten halben Stunde treibt es mich schon weiter. Es ist empfindlich kalt dort oben auf dem Top. Danach muss ich 5,5 Meilen wieder bergab, was sich zum Teil als Kletterpartie gestaltet. Jeder, der noch nicht auf dem Appalachian Trail gelaufen ist, wird sich hier denken: „Wollen die mich eigentlich verarschen?“ Aber ich kenne das ja schon, es geht wirklich ueber jeden Huegel. Wie viele Berge waren das auf dem gesamten Trail ? Waren das nicht insgesamt 5000 ? Einige davon habe ich nun schon geschafft.

Im Laufe des Tages habe ich etwa ein Dutzend Leute ueberholt, die morgens mit mir beim NOC gestartet sind. Ein junger Mann ist an mit vorbei gesprintet.

Am Stecoah Gap stehen Picknick-Tische, und es haengt ein schwarzer Sack mit Resten von Trail Magic an einem der Tische. Ein dicker gruener Apfel liegt noch auf einem der Tische. Aber den ueberlasse ich dem aelteren ( oder genau so alt wie ich ?) Wandersmann, den ich gerade ueberholt habe. Mein Proviantbeutel ist immer noch viel zu schwer.

Finde einen schoenen Zeltplatz kurz vor der naechsten Shelter. Um 19.00 Uhr habe ich Feierabend. War 9 Stunden unterwegs, davon bin ich beinahe 8 Stunden gelaufen und habe heute 14,4 Meilen geschafft. Es gibt nur kalte Kueche, weil ich zu wenig Wasser dabeihabe. Ich esse einen halben Block Kaese ( 400 Kalorien ), Clementinen und M & M’s. Habe das Gefuehl, mich damit gut und ausgewogen ernaehrt zu haben. Morgen frueh ist es nur eine Meile bergauf bis zur Shelter, wo es dann auch Wasser gibt.

Waehrend ich beim letzten Tageslicht draussen vor meinem Zelt sitze, kommen tatsaechlich noch nacheinander 4 Leute vorbei. Sie sehen alle ziemlich fertig aus, aber genau das sind die Hiker, die den Weg bis nach Maine schaffen werden.

 

23. Tag Fontana Dam

 

Mittwoch, 09.04.

Fuer die letzte und die kommende Nacht waren Temperaturen um den Gefrierpunkt angesagt.  Habe eine angenehme Nacht verbracht, musste mir nur irgendwann noch einen Schal um die Nase binden. Es hat leicht geregnet, leider macht das nasse Zelt mein Gepaeck wieder schwerer.

Starten muss ich heute mit “ Jacob’s Ladder“. Wie der Name schon vermuten laesst, geht es fast senkrecht bergauf. Das wollte ich mir gestern Abend nicht mehr antun. Zum Glueck dauert der Aufstieg nur eine halbe Stunde, dann bin ich oben. Shelter – Wasser – Fruehstueck ! Mein Muesliriegel ist gefroren.

Das Gelaende ist gut zu laufen. Es geht stetig auf und ab, aber das ist ja nichts Neues. Der Tag bleibt kuehl, ist aber zum Wandern ideal. Zwischendurch laesst sich auch mal die Sonne blicken, aber in den Pausen fange ich an zu Frieren.

Gegen 17.00 Uhr erreiche ich den Fontana-Dam-Parkplatz. Hier gibt es Informationstafeln zu den Great Smoky Mountains, Toiletten und Getraenke-Automaten. Von hier aus koennte man fuer 3 $ mit einem Shuttle-Bus ins Dorf Fontana Dam fahren. Aber ich entscheide mich gegen den „Stadt“-Besuch, weil dort rein gar nichts los ist. Ich muss keine Waesche waschen und auch nicht einkaufen. Habe noch genug Proviant fuer 3 – 4 Tage dabei, natuerlich keine leckeren Sachen mehr, aber dieses Zeug muss ja auch mal gegessen werden.

Noch gut eine Meile weiter, dann bin ich an der Fontana Dam Shelter, wo ich die Nacht verbringen will. Meine Tagesetappe heute waren 14,1 Meilen in insgesamt 8 Stunden.

Als Erstes wird mein Zelt zum Trocknen ueber einen Zaun gehaengt. Das werde ich in den naechsten Tagen nicht brauchen, denn morgen werde ich in den Great Smoky Mountains National Park kommen. Dort ist das Campen am Weg verboten, man muss in den Sheltern uebernachten. Kann ich mich also heute gleich dran gewoehenen.

Die Fontana Dam Shelter wird auch das “ Hilton“ genannt. Sie bietet auf 2 Etagen Platz fuer etwa 20 Personen, ist gross und hell, nahebei gibt es Toiletten und eine Dusche mit warmem Wasser. Nach der heissen Dusche koche ich auf einem der Picknick-Tische mit meinem Jetboil. Versuche, eine SMS nach Hause zu senden, habe aber leider kein Signal, denn Fontana Dam liegt in einem Loch.

Als ich wiederkomme, da herrscht draussen reges Treiben, und die Shelter ist voll. Bin mal gespannt, wie die Nacht wird !