Früh morgens beim Kaffee stellen wir uns zum ersten Mal die Frage : "Wollen wir das eigentlich weitermachen ?" Die App sagt :  Die nächsten 15 Kilometer wird es kein Wasser geben, aber 800 Höhenmeter Aufstieg. Danach dann wieder 18 Kilometer ohne Wasser, noch einmal 1200 bergauf. Das Ganze mit vollem Rucksack, neuem Proviant für 6 Tage, mehreren Litern an der Seite und bei dieser Affenhitze. Kneifen gilt nicht. Natürlich machen wir weiter.

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Schon um 6.30 Uhr ist es Zeit für Sonnencreme im Gesicht. Wir starten mit steilem Anstieg. Es geht einen markanten Berg hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Über eine Brücke überqueren wir den Roosevelt Lake. Was sind wir doch blöd ! Das hätten wir einfacher und schneller haben können, wenn wir auf der Straße bis zur Brücke gelaufen wären. Nach 2 Stunden haben wir die ersten 6,5 Kilometer geschafft und sind bereits 500 Höhenmeter aufgestiegen. Weit und breit kein Schatten, deswegen gibt es nur kurze Pause zum Trinken. Eine halbe Stunde später blockiert eine fette Rattle Snake den Trail. Zuerst liegt sie nur bewegungslos am Rand, aber beim Annähern krümmt sie sich und stellt sich auf. Typische Angriffsstellung. Die Rassel ertönt laut und ununterbrochen. Diese Schlange scheint richtig sauer zu sein. Hier kommen wir nicht weiter, sondern müssen durch's Gestrüpp absteigen. Klapperschlangen sind die einzigen, die keinen Platz machen. Sie haben keine Angst. Alle anderen Schlangen verziehen sich immer blitzschnell. Mit dieser hier ist nicht zu spaßen, die Rassel ertönt immer wilder. Wir haben mächtig Respekt und machen unterhalb des Weges einen ca. 5 Meter weiten Bogen um das aufgeregte Tier.

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Am Mills Ridge Parkplatz finden wir nicht nur reichlich Kanister mit Wasser, sondern auch eine Kühlbox mit Cola und Bier. Gesponsert wird diese Trail Magic von Scott und Becky "Gila Mama". Auf dieser sturen Etappe durch die Superstition Mountains ist das eine Wohltat, die wir nicht so schnell vergessen werden.

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Um 14.00 Uhr haben wir bereits 1250 Höhenmeter Aufstieg in den Knochen. Weitere 750 Höhenmeter liegen noch vor uns, bis wir den Tag an einer Wasserquelle beenden können. Den ganzen Nachmittag wandern wir durch die Four Peaks Wilderness. Bei Gipfel Nummer Fünf habe ich aufgehört zu zählen. Es geht immer am Hang entlang und über den Grat, hinauf und hinunter. Zwischen den Bergen liegen tiefe Schluchten. Grün ist es hier, wild und ungezähmt. Der Pfad ist zum Teil gar nicht zu erkennen, weil zugewuchert. Zum Glück nicht mit Stachelzeug. Keine Saguaros mehr, die Klimazone der Kakteen liegt unter uns. Es wird kühler und sehr windig. Gegen 16.00 Uhr machen wir eine kurze Lagebesprechung. Ich bin eigentlich der Meinung, wir sollten unser Abendziel fallen lassen. Wir kommen langsamer vorwärts als geplant und brauchen noch mindestens 3 Stunden bis zur Shake Spring. Jeder hat noch einen Liter Wasser zum Trinken. Wenn wir das Kochen ausfallen lassen und morgen früh auf Kaffee verzichten, dann können wir irgendwo unterwegs das Zelt aufbauen und morgen früh weiter bis zur Quelle. Thomas möchte es heute noch versuchen, also zügig weiter.

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Zum Ende des Tages hin wird der Weg immer schwieriger. Zuletzt schlagen wir uns durch über dem Trail wachsende Büsche, überqueren ein paar kleine Geröllfelder und klettern über dicke Felsstufen nach oben. Es wird spät, das Tageslicht schwindet. Gegen 20.00 Uhr erreichen wir den Zeltplatz in der Nähe der Shake Spring. Jetzt müssen wir nur noch die Quelle finden. Inzwischen ist es stockdunkel, die ersten Sterne erscheinen am Himmel. Gemeinsam straucheln wir eine schmale Spur immer tiefer nach unten, bis wir das Wasser plätschern hören. Ein Glück, die Quelle ist noch nicht versiegt. Wir packen alle unsere Behälter voll, insgesamt 6 Liter, und steigen damit wieder hoch. Dann nur noch das Zelt aufbauen, einräumen, kochen und essen .... Es ist kalt geworden und schon nach neun, bis wir fertig sind. Das war der längste Tag für uns bisher auf dem Arizona Trail. Wir haben 32 Kilometer  geschafft. Können es selber kaum glauben, denn wir mussten dabei vom See-Niveau am Morgen in der Marina volle 2 Kilometer in die Höhe steigen.

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Ausnahmsweise haben wir keinen Wecker gestellt, weil der gestrige Tag anstrengend und lang war. Vogelgezwitscher weckt uns um 10 nach 5. Urgemütlich ist es letzte Nacht gewesen. Kühl genug, um ganz im Schlafsack zu verschwinden. Draußen pfiff der Wind, aber das Zelt war gut abgespannt und der Platz nach drei Seiten von Bäumen geschützt. 8 Stunden Tiefschlaf. Bereits nach einer knappen Stunde erreichen wir die Pigeon Spring. Die Oberfläche ist mit Blättern bedeckt, aber wenn man die Flaschen tief genug eintaucht, dann ist das Wasser herrlich klar und kalt. Wir verlassen jetzt die Four Peaks Wilderness. Schade eigentlich. So schöne Natur, immer in der Höhe, von Gipfel zu Gipfel. Das hätte gerne länger dauern dürfen. Dafür verläuft der Trail jetzt viele Kilometer über eine Sandpiste hinauf und hinunter. Ein frische Brise weht hier oben und nimmt der Mittagshitze ihre Spitze. Stundenlang bequemes Wandern. Die ganze Zeit haben wir kein Auto und keine anderen Menschen gesehen. Tragen müssen wir auch nicht so viel, denn das nächste Wasser soll es bereits in 6,5 Kilometern geben. Sehr komfortabel.

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Little Pine Flat ist eine Ebene, in der an manchen Stellen noch ein dünnes Rinnsal von Bach fließt. Alternativ dazu gibt es einen Wildtier-Tank hinter einem Zaun. Das Wasser in diesem Bottich ist ziemlich grün, nach dem Filtern sieht es allerdings ganz akzeptabel aus. Der Filter muss danach gereinigt werden. Beim Rückspülen kommt grünes Algen-Wasser heraus. In dieser Pause lernen wir Greg und Adrian kennen. Zwei nette junge Burschen, die den Arizona Trail am Südende des Grand Canyon beenden wollen.

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Eine grau-gestreifte Schlange liegt quer über dem Pfad und genießt anscheinend die Sonne. Sie bleibt lange genug liegen, damit wir ein Foto machen können. Sonst verschwinden die immer so schnell, dass man sie kaum richtig erkennen kann.  Ansonsten wuseln nur ein paar Eidechsen zwischen unseren Füßen herum. Und die Zeit der Schmetterlinge ist gekommen. Besonders hübsch sind die großen Monarchfalter. Am Wegesrand entdecken wir ein Gespinst im Baum. In diesem Kokon wimmelt es von Raupen, die sich auch irgendwann zu Schmetterlingen entwickeln und schlüpfen werden.

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Unser Abendziel ist der Sycamore Creek. Auch die letzte Etappe bleibt angenehm. Der Pfad windet sich um die Hügel herum anstatt über jeden Berg zu gehen. Knapp zwei Stunden für die letzten 8 Kilometer, um 18.15 Uhr erreichen wir den Sycamore Creek. Das ist ein munter plätschender Bach, allerdings mit dicken Algen durchsetzt. Natürlich filtern wir wieder. Zeltplatz eher mittelmäßig, wir räumen ein halbwegs gerades Stück frei von Stock und Steinen. Ist okay, das Wasser direkt nebenan entschädigt uns. Ich freue mich besonders über fließendes Wasser zum Waschen und Baden der Füße. Sind wieder 32 Kilometer gelaufen, genau wie gestern. Eine Stunde später los und zwei Stunden eher am Ziel, weil das Gelände viel einfacher war. Toller Tag !

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Früh am Morgen ist es richtig frisch. So kalt, dass ich darüber nachdenke, Mütze und Handschuhe aus den Tiefen des Rucksackes zu holen. Es liegen 1300 Höhenmeter Aufstieg vor uns, und dabei kommt man schnell auf normale Temperatur. Die erste "sichere" Wasserquelle ist eine Enttäuschung. Es handelt sich um einen Kuh-Teich mit sehr niedrigem Wasserstand. Total braune Brühe, und es riecht auch so. Nein, wir müssen eigentlich noch gar nichts trinken. Eine gute halbe Stunde weiter entdecken wir ein paar tiefe Pfützen zwischen Felsen. Das sieht viel besser aus, das wird unser erster Pausenplatz. Um Viertel nach 8 haben wir bereits mehr als 11 Kilometer zurückgelegt.

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Ein Schild am Wegesrand erzählt uns, dass wir jetzt die Mazatzal Wilderness betreten. Wir sind gespannt, was die uns so zu bieten hat. Neue Berge, andere Vegetation, kühleres Klima. Grün ist es, jeder Hügel ist lückenlos bewachsen. Zu beiden Seiten des schmalen Pfades stehen dichte Hecken, dazwischen verschiedene Arten von Laubbäumen. In den Senken findet man ab und zu ein dünnes Rinnsal oder einen kleinen Pool zwischen Steinen. Hier gibt es anscheinend etwas mehr Wasser. Wir steigen auf in die Höhe, und wir wandern kontinuierlich nach Norden. Uns kommt es sehr gelegen, wenn die Temperaturen etwas kühler werden. Was noch auffällt : Bären-Haufen auf dem Weg, und dann gleich mehrere. Es soll Schwarzbären in Arizona geben, aber bisher haben wir noch keine Spuren gesehen.

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Eine ausgewachsene Klapperschlange blockiert den Trail. Diesmal eine neue Art, von orange-gelber Farbe. So eine kenne ich nur aus dem Tropenhaus im Zoo. Thomas läuft voraus und sieht die Schlange erst im letzten Moment, als schon das bedrohliche Rasseln einsetzt. Er bleibt abrupt stehen, und ich laufe fast in ihn hinein mit den ungeduldigen Worten "Was ist denn nun schon wieder los ?" Dann höre ich das Rasseln auch. Vor uns liegt eine aggressive Klapperschlange. Thomas wirft mehrere Steine, bis sie sich seitlich ins Gebüsch zurückzieht. Er läuft vorsichtig vorbei mit so großem Abstand, wie es nur geht. Die Schwanzrassel klappert weiter. Dann versuche ich es ganz langsam auf dieselbe Art und Weise. Vorsichtig vorbeischleichen .... Im Gebüsch zuckt es, die Schlange hat sich ruckartig bewegt, und mir rutscht fast das Herz in die Hose. Aber gut, wir sind vorbei, und es ist nichts passiert. Es dauert ein paar Minuten, bis mein Herzschlag sich wieder normalisiert hat.

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Am späten Nachmittag passieren wir die 400-Meilen-Marke, das heißt wir haben ungefähr 650 Kilometer zurückgelegt. Wir kommen an mehreren Wasserstellen vorbei. Nichts dolles, aber man ist ja nicht verwöhnt, wenn man in der Hitze Arizonas unterwegs ist. Wir möchten zur Thicket Spring, denn das könnte unser letztes Wasser vor dem dicken Aufstieg zum Mazatzal Mountain morgen sein. Den Ursprung der Quelle finden wir nicht, aber dafür einen sehr schönen Zeltplatz. Wir stellen unsere Rucksäcke ab und laufen mit allen Behältern noch einmal hinunter zum letzten Bach. Mit 6 Litern sind wir gut versorgt und können morgen wieder sehr früh starten.

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Beide haben wir den Wecker nicht gehört und wachen erst um kurz nach 5 auf. Es scheint wirklich kühler geworden zu sein. In der ersten Stunde habe ich kalte Ohren beim Laufen. Insgesamt macht es unsere Tage und den Aufstieg leichter. Eine neue Schlangenart liegt vor uns auf dem Trail. Die ist sehr zierlich und hübsch gemustert. Sieht gar nicht gefährlich aus. Irgendwie hat die noch keine Lust, sich zu bewegen, wahrscheinlich ist es ihr noch nicht warm genug. Auch auf kleine Steinchen reagiert die Schlange nicht. Thomas muss sie mit seiner Stockspitze hochheben und an die Seite räumen. Erst dann wird das Tier munter und verkriecht sich im Gebüsch. Später finden wir heraus, dass es eine Gophernatter war, für den Menschen völlig ungiftig.

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Bei der Bear Spring hatten wir schönes Wasser erwartet. Es kostet uns einen Kilometer Umweg hin und zurück, aber es gibt keine Alternativen. Vor uns liegt der Mazatzal Peak. Bis zur nächsten Quelle haben wir weitere 10 Kilometer, natürlich mit Aufstieg. Wir laufen also den Seitenweg hinunter und nehmen schon beim Annähern einen schlechten Geruch wahr. Richtig faulig riecht das Wasser. Das möchte man am liebsten nicht nehmen, aber muss ja. Erstaunlicherweise ist der Geruch nach dem Filtern nicht mehr da. Mit ein paar Tropfen künstlichem Geschmack drin kann man es gut trinken. Thomas hat Spaß an seiner Vogelstimmen-App. Die funktioniert auch ohne Internet, nimmt Vogelstimmen auf und erkennt diese. An der Bear Spring kann man mehrere unterschiedliche Stimmen hören. Die App erzählt uns, dass zwei dieser Vogelarten immer gerne zusammen auftauchen und sich unterhalten. Interessant. Da wären wir von alleine nicht drauf gekommen.

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Eine Stunde später liegt der Mazatzal Peak rechts querab. Der Blick auf steile Wände aus rotem Gestein ist imposant, aber rauf müssen wir da nun nicht extra. Zwei dicke Bäume blockieren den Trail. Wir müssen tatsächlich die Rücksätze absetzen und ohne Gepäck drunter durchklettern. Das ist uns seit dem PCT im letzten Jahr nicht mehr passiert. Eine orange-rote Schlange kreuzt ganz frech unseren Weg. Diese schlängelt sich zwischen Thomas und mir auf die andere Seite, dabei laufen wir nur mit etwa 2 Meter Abstand voneinander. Wieder sehen wir mehrmals die Hinterlassenschaften von Bären. In der Mazatzal Wilderness soll es die größte Population von Schwarzbären in ganz Arizona geben. Sie bevorzugen Höhenlagen über 1500 Meter. Wir befinden uns auf 2200 Meter Höhe. Also hier treiben die sich herum.

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Unser Abendziel Hopi Spring liegt etwas abseits vom Trail. Der Umweg führt über einen holprigen Pfad nach oben. Alles ist feucht und matschig, also kein Zeltplatz. Das Wasser im Bottich sieht sauber aus. Es riecht leider stark nach Schwefel. Um 18.00 Uhr haben wir auch den richtigen Platz für unser Nachtlager gefunden. Direkt neben dem Weg und ziemlich knapp bemessen, aber wir können ja sowieso nur einen Eingang benutzen. Wird einfach passend gemacht. Abendessen gibt es mit Schwefelwasser, die Ration für den Kaffee am Morgen lassen wir durch den Filter laufen. Das Wandern ist uns den ganzen Tag ausgesprochen leicht gefallen. Vielleicht weil wir ausreichend geschlafen haben ? 11 Stunden ! Oder eher, weil es heute nicht so heiß war wie sonst ? Vor genau 4 Wochen sind wir an der mexikanischen Grenze gestartet, und heute hatten wir den allerersten Tag mit bedecktem Himmel. Wieder 30 Kilometer weiter und 1300 Höhenmeter gemacht. Das ist hier anstrengender als in den Sierras.

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Abends fing es an zu regnen, kein heftiger Guss, sondern konstanter Nieselregen. Auch während der Nacht hört man immer mal wieder, wie die Tropfen auf's Zeltdach prasseln. Morgens früh tröpfelt es immer noch. Ich habe keine Lust zum Aufstehen. Deswegen verlängern wir die Tee-und-Kekse-Zeremonie und starten erst um Viertel nach 6. Vorher muss noch das Hühnerauge von Thomas neu verarztet werden. Es bereitet zunehmend Probleme und braucht eine intensive Behandlung, wenn wir mal ein paar Tage nicht laufen. Mich haben in der Nacht einige Mückenstiche gequält. Ausgerechnet an den Füßen, wo beim Wandern den ganzen Tag die Socken und Schuhe scheuern. Draußen ist es inzwischen trocken, aber kalt. Eine dunkle Wolkenwand voraus, die sieht richtig bedrohlich aus. Es könnte gleich wieder Regen geben. Aber der Wind kommt von hinten und bläst die Wolken weg, schneller als wir laufen können. Wir bleiben trocken. Am Himmel ist richtig was los. Ein tolles Natur-Schauspiel. Wolken, Wind, zwischendurch ein bisschen Sonne .... so eine Dynamik kennen wir sonst nur auf See. Der Wechsel von Licht und Schatten über den grünen Hügeln ist faszinierend. Ich marschiere bis zum Mittag mit Daunenjacke und Handschuhen an. Keine Schlangen und keine Echsen, denen ist es wohl auch zu kalt.

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Ein Abzweiger führt zur Brush Spring. Nicht direkt, wir folgen einem ziemlich langen Pfad, der mit Steinmännchen markiert ist. Das Wasser aus den Pools zwischen den Felsen sieht sauber aus und schmeckt gut. Lange Mittagspause. Nur noch 300 Höhenmeter hinauf. Danach folgt Abstieg, Abstieg und noch einmal Abstieg. Ein Wunder, dass die alten Knie das so mitmachen. Aber es ist viel zu viel Geröll für unseren Geschmack. Man muss ganz schön aufpassen, wohin man die Füße setzt, um nicht umzuknicken. Meine Schuhe sind durch, ich spüre inzwischen jeden spitzen Stein durch die Sohle. Den ganzen Nachmittag über Sonne-Wolken-Mix, dazu weht ein heftiger Wind. Erst in der letzten Etappe siegt blauer Himmel, und die Sonne wärmt ein bisschen. Schon lässt sich auch eine Schlange blicken.

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Wir möchten zur Polk Spring, da soll es Wasser und Zeltplätze geben. Thomas läuft immer langsamer und humpelt. Eine Stunde vor Feierabend fragt er plötzlich nach Schmerztabletten. Das Hühnerauge ? Nein, es ist eine neue Baustelle. Der rechte Fußballen tut weh, irgendein stechender Schmerz unter der Ferse. Was ist das denn jetzt ? Arthrose, weil wir alt sind ? Das Geröll oder die vielen Höhenmeter ? Überlastung, weil wir jetzt schon 11 Tage ohne Unterbrechung stramm unterwegs sind ? Ibuprofen haben wir natürlich dabei, das brauchen wir jetzt zum ersten Mal. Einen Moment Schuhe aus und Pause, damit die Tablette wirken kann. Während der Zeit nähe ich meine Hose, damit sie nicht ganz auseinanderfällt.

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Ganz tief unten überqueren wir den East Verde River. Das ist einer der wenigen echten Flüsse entlang des Arizona Trails. Er führt richtig Wasser und fließt schnell. Es haben sich an mehreren Stellen kleine Inselchen gebildet. Wir suchen uns den besten Weg und balancieren das letzte Stück auf Steinen hinüber ans andere Ufer.

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Eine halbe Stunde später erreichen wir unser Tagesziel. Zuerst laufen wir an der dünnen Spur vorbei, die zum Bach führt. Der Eingang ist wirklich gut versteckt, das könnte genauso vom Vieh platt getreten sein. Dann finden wir einen wunderschönen Platz, trocken, gerader Boden, eine Feuerstelle mit Sitzsteinen drumherum. Gleich daneben sprudelt feinstes Quellwasser. Ein sauberer Bach sucht sich den Weg durch's Grün. Am Grund liegen Kieselsteine und grober Sand, darüber quer eine Leiter. Einige dicke Steine machen das Schöpfen einfach. Dies ist eine der besten natürlichen Wasserquellen bisher. Köstlich, klar und frisch, man muss nicht filtern.

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Nun ist auch der letzte von 4 Reißverschlüssen am Zelt kaputt, schlafen wir also erneut mit offener Tür. Ersatzteile zum Reparieren sind bestellt und warten in Pine bei der Post auf uns. Nur noch ungefähr 30 Kilometer, also ein voller Tag, bis wir dort ankommen. Niemanden gesehen heute, und das soll auch so bleiben. Wir sind alleine in unserem kleinen Paradies. Zelten unter Bäumen auf trockenem Laub, die perfekte Wasserquelle plätschert nur ein paar Meter weiter.

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