Hochwasser in Faro ist am 3. Mai um 18.00 Uhr. Wegen unseres Tiefganges von 1,65 Meter kann der Kran die neue Walkabout erst um 16.30 Uhr ins Wasser bringen. Wir erleben ein paar Schreck-Minuten, denn nach Anlassen des Motors kommt nicht genug Wasser aus dem Auspuff. So können wir natürlich nicht losfahren. Nach Auffüllen des Seewasser-Filters funktioniert der Wasser-Kreislauf wieder, statt schwarzer Qualm kommt nun schmutziges Hafenwasser hinten raus. Wir starten unter Begleitung eines Motorbootes der Marina, welches uns durch den Canal de Faro bis zum tiefen Fahrwasser dirigiert. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und wenig Wind bieten perfektes Wetter für die Jungfernfahrt mit unserem neuen Boot. Nur Segeln wäre schöner, aber das wagen wir in diesem unbekannten Gebiet voller Untiefen noch nicht. Außerdem möchten wir den Motor, der lange nicht gelaufen ist, eine Weile tuckern lassen. Die Seeluft ist herrlich. Wir sind glücklich, endlich weg von Staub, Lärm und Hektik an Land zu sein. Gemütlich fahren wir vorbei am Leuchtturm vom Cabo Santa Maria und durch den Canal de Olhao, bis wir nach knapp 10 Seemeilen gegenüber der Ilha der Culatra das erste Mal den Anker werfen.

Der Schlauch zum Auspuff ist undicht, es ist etwas Wasser ins Schiff gelaufen. Das Sicherungs-Bändsel für den Ankerbolzen ist gleich beim ersten Manöver gerissen. Lange Standzeit ist nie gut für ein Schiff, das Material ist alt und spröde. Die Pumpe für das Seewasser an der Spüle ist defekt und muss ausgewechselt werden. Unsere Toilette leckt. Nach mehrmaligem Benutzen gibt es im Bad nasse Füße. Ein Schlauch ist undicht, Salzwasser tropft an der Wand hinunter und sammelt sich am Boden. Nicht schön. Das Ankerlicht funktioniert nicht. Bis nach Norderney werden wir auch ohne überleben. Wenn im Herbst das Rigg erneuert wird, dann muss der Mast sowieso gelegt werden. Gute Gelegenheit, um die Kabel und Lichter zu erneuern. Wir haben festgestellt, dass einige der vorhandenen Lampen viel zu viel Strom verbrauchen und ersetzt werden sollten.

Am Freitag möchten wir die vorgelagerte Insel erkunden. Bereits beim Einsteigen knackt eines der drei Bretter im Dingi gefährlich, das Holz ist morsch. Wir paddeln erstmal los, aber auf halber Strecke zum Strand bricht der Beschlag der Ruder-Führung. Die Beschläge für die Sitzbretter hat Thomas in Faro noch repariert, dieses ist eine neue Baustelle.

Gestern am späten Nachmittag erst sind wir gestartet, heute gegen Mittag haben wir bereits eine neue Liste mit Kleinigkeiten, die repariert werden müssen. Alle Dinge, die jetzt erst kaputt gegangen sind, konnten wir an Land stehend nicht überprüfen bzw. ausprobieren. War eigentlich klar, dass es da noch Einiges an Bruch und Überraschungen gibt. Das Schiff ist zu lange nicht bewegt worden, so dass sich einige Sachen einfach kaputtgestanden hat. Wenn wir da an die Überführungs-Fahrt der alten Walkabout an einem eisigen Februar-Tag von Bremerhaven nach Norderney denken ….. Damals hat schon vor der ersten Schleuse der Motor den Geist aufgegeben und sprang auch mit viel gutem Zureden nicht mehr an. Wir sind trotzdem weiter, denn es ist ja ein Segelboot. Windstärken von 6 Beaufort bei der ersten Fahrt, zum Glück von achtern. Und dann sind uns während des Heimweges nach und nach die Leinen gerissen und so einige Dinge um die Ohren geflogen. Die erste richtige Beanspruchung, nachdem das Material lange Zeit nicht belastet wurde, hat sofort die Schwachstellen gezeigt. Also ist es völlig normal, dass hier an Bord noch ein paar Dinge kaputtgehen werden. Irgendwann haben wir alles erneuert, vorher geht es nicht in gefährliche Regionen.
Aus dem Dingi heraus können wir sehen, dass von den Gurten des Krans an beiden Seiten des Bootes knapp oberhalb der Wasserlinie die schwarze Farbe abgescheuert wurde. Sehr ärgerlich ! Eigentlich haben wir uns viel Mühe gegeben mit den Maler-Arbeiten, nun ist die schöne Ansicht schon wieder versaut. Thomas setzt sich nochmal ins wackelige Beiboot und bessert die kaputten Stellen im Lack aus, so gut wie es aus dieser Position geht.

Wir gönnen uns einen halben Tag Freizeit. Der Ausflug auf die Insel fühlt sich an wie Urlaub. 🙂 Das Dorf Culatra ist richtig niedlich. Ein malerischer Fischerort erwartet uns. Es gibt keine betonierten Straßen, nur Sandpisten. Erinnerungen an La Graciosa, die kleinste und nördlichste der Kanarischen Inseln werden wach. Vor uns liegt ein langer weißer Sandstrand genau wie zu Hause, hinter uns eine trockene Dünen-Vegetation. Um uns herum gibt es Strandläufer und Silbermöwen, eine gut bekannte Vogelwelt wie im Wattenmeer. Ein Spaziergang über Bretterstege bringt uns auf die andere Seite der Insel zum Atlantik. Wie lange ist das schon her, seit wir Atlantik-Luft geschnuppert haben ? Lange auf jeden Fall …. Im Februar 2012 sind wir um Kap Hoorn gesegelt, Mai 2013 nach Deutschland geflogen, seit 2015 nur noch im Pazifik-Bereich unterwegs gewesen. Die Gambiers, Französisch Polynesien, Tonga, Neuseeland, Fiji, Neuseeland – und dazwischen Wandern auf dem Te Araroa und dem CDT. Jetzt befinden wir uns also nach vielen Jahren wieder auf der Nord-Halbkugel mit dem Ziel Heimathafen Norderney.

Abends steht dann die erneute Reparatur der Leckstelle in der Toilette an. Nervige Angelegenheit, es dauert ewig. Danach muss das Bad noch von oben bis unten gründlich mit Süßwasser geputzt werden.
Samstag sind wir zum Dinner auf dem Boot von Helen und David eingeladen, am Sonntag soll es dann endlich richtig losgehen. 🙂