Zwei gemeinsame Wochen in Deutschland liegen hinter uns. Sehr schön, aber auch anstrengend. Mutter, alle Kinder und Enkelkinder, außerdem die Schwestern in Bremen besucht und einige Freunde getroffen. Immer mal zwei Nächte hier, zwei Nächte dort, dazwischen das Abenteuer "Deutsche Bahn". Die letzte Nacht vor dem Abflug verbringen wir in Frankfurt, wo wir tatsächlich mal gar nichts machen. Wir möchten nur 'runterfahren und uns mental auf das kommende Abenteuer einstellen.

Der erste Flug mit Condor dauert 11 Stunden und verläuft ganz entspannt. In Seattle müssen wir umsteigen und in die USA einchecken. Ein bisschen nervös sind wir bis zum Schluss, weil wir eigentlich viel zu früh dran sind. Unsere B2-Visa bedeuten, dass wir 180 Tage im Land bleiben dürfen und anschließend 180 Tage ausreisen müssen. Der letzte Aufenthalt ist aber noch gar nicht so lange her, und nun stehen wir schon nach 4 Monaten und 12 Tagen wieder vor einem Beamten der Immigration. Die Einreise in die Vereinigten Staaten verläuft ( allen Unkenrufen zum Trotz ) reibungslos. Es erwarten uns keine vermummten Gestalten der ICE Grenzschutzbehörde. Keine Überprüfung unserer Kontakte und Beiträge auf Social Media. Nicht mehr Fragen als sonst. Eine Extra-Durchleuchtung unserer Rucksäcke ist selbst verschuldet, wegen zwei Bananen im Handgepäck werden wir zur Agrar-Inspektion geschickt. Insgesamt haben wir das Prozedere sogar schneller durchlaufen als in den vergangenen Jahren.

Die 2,5 Stunden Zeit bis zu unserem Anschlussflug mit Alaska Airlines sind gut bemessen, und das hätte eigentlich auch gepasst. Pünktliches Einsteigen in den Flieger, alle Passagiere sind an Bord, Demonstration der Sicherheitshinweise, das Flugzeug rollt an .... Aber es riecht stark nach Treibstoff. Stopp der Maschinen, erneuter Versuch, dann kommt eine Durchsage des Piloten, dass es eine Verzögerung von 10 Minuten geben wird. Eine halbe Stunde später herrscht immer noch Unsicherheit, ob wir überhaupt abheben werden. Die Informationen aus dem Cockpit lauten jetzt, dass die Maschine eventuell Treibstoff verliert. Eine weitere Überprüfung, und dann heißt es : Dieses Flugzeug wird nicht starten. Alle Passagiere müssen raus, das Gepäck wird umgeladen. Gate-Wechsel. Warten. Mit drei Stunden Verspätung geht es endlich los.

Gegen 2.00 Uhr in der Nacht kommen wir im Hotel an. Total müde, denn wir haben wegen der Zeitverschiebung seit 28 Stunden nicht geschlafen. Aber wir sind auch unheimlich froh darüber, dass die Einreise so geschmeidig verlaufen ist und jetzt viele gemeinsame Monate vor uns liegen. :)

Vor dem Start auf den Arizona Trail haben wir nur einen Tag Zeit zum Organisieren. Unser erster Gang führt zur Post, wo mehrere Päckchen auf uns warten. Flickzeug für die Isomatten, Adapter für den Wasserfilter und eine ultraleichte Plane als Unterlage für's Zelt bzw. zum Schutz der Luftmatratzen in dieser stacheligen Gegend. Danach fahren wir nach REI, einem Spezialisten für Outdoor-Ausrüstung. Schon vor 2 Wochen hatten wir Schuhe, Wasserfilter und Gaskartusche online bestellt. Alles da, die Tüte mit unseren Artikeln ist bereit zur Abholung. Natürlich kommt man hier nicht heraus, ohne noch etwas mehr zu kaufen. Wir verlassen den Laden mit einer neuen Hiking-Hose und Socken für Thomas, einem Sonnenhut für mich, größere und trotzdem leichte Plastikschüsseln für die warmen Mahlzeiten. Vor dem REI lernen wir einen sehr beeindruckenden Typen kennen, mit dem man einfach quatschen muss. Daniel stammt aus Los Angeles und ist seit mehr als einem Jahr mit einem ganz normalen Fahrrad unterwegs. Seine Ausrüstung hat er größtenteils selber gebastelt und genäht. Kein großes Budget, aber trotzdem hat Daniel bereits über 5000 Kilometer zurückgelegt. Seine Eltern möchten, dass er einer normalen Arbeit nachgeht, aber das ist wohl gerade indiskutabel. Köstlich ! Die erste Begegnung in den USA, die wir richtig cool finden und nicht so schnell vergessen werden.

Es folgt ein schneller Einkauf mit Proviant für die nächsten 4 Tage. Zu Beginn eines Trails ist der Hunger noch nicht so groß. Außerdem essen wir immer das Gleiche und wissen deswegen genau, was wir brauchen. Wenig geschlafen, früh aufgestanden, zur Mittagszeit ist bereits alles erledigt. Jetzt nur noch die Rucksäcke packen - die sind mit 4 Litern Wasser schwerer als gewünscht. Morgen früh geht's los.
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