Chicago, am Lake Michigan in Illinois gelegen, ist eine der größten Städte in den USA. Autofahren und Parken sind Stress pur. Wir werden sowohl Park & Ride als auch das weltberühmte Nahverkehrssystem nutzen, welches die Stadt mit Hochbahnen, Tunneln und oberirdischen Strecken bedient. Die L-Bahn verbindet die Innenstadt (den "Loop") mit den wichtigsten Vierteln und Vororten.

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Die Metropole Chicago ist bekannt für ihre schöne Architektur und eine von Wolkenkratzern dominierte Skyline. Hier stehen das 344 Meter hohe John Hancock Center mit 100 Stockwerken sowie der 442 Meter hohe Willis Tower und natürlich einer der Trump Tower.

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Sehr windig ist es. Bei 11° Celsius fühlt sich das kalt an. Chicago wird auch "Windy City" genannt. Es weht immer eine frische Brise vom Michigan-See. Die starken Winde werden durch die Häuserschluchten der Wolkenkratzer kanalisiert, was zu diesem Spitznamen geführt hat.

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Einen ersten Überblick gibt es für uns aus dem 94. Stockwerk des ehemaligen John Hancock Centers. Heute nennt sich diese Attraktion "360 CHICAGO". Toller Blick von der Aussichtsplattform auf die Skyline von Chicago, den Strand und das Seeufer vom Lake Michigan.

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Ich zahle 14,- Dollar extra für eine Runde "TILT". Dabei wird man in einer verglasten Gondel um 30 Grad nach vorne über die Michigan Avenue geneigt. In dieser Position befindet man sich dann 314 Meter über der Stadt und schwebt quasi in der Luft. Thomas kann darauf verzichten, was in Anbetracht der Krücken vielleicht auch besser ist. Ich möchte es gerne erleben und denke hinterher ( 5 Minuten später ) : Wie ? Das war's ? Nicht spektakulär, viel Geschrei um Nichts. 

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Thomas führt uns zu einem Thai-Imbiss. Das Mittagessen dort ist lecker und preiswert. Danach flanieren wir durch die Magnificent Mile. Diese teure Prachtstraße ist vergleichbar mit der Champs Elyssee in Paris. Hier reihen sich Luxusboutiquen und Schmuckgeschäfte aneinander, ausnahmslos teure Läden mit ausgewählten Einzelstücken im Schaufenster. Nirgends stehen Preise dran, und wir fragen auch lieber nicht. Der Trump Tower hat 92 Stockwerke und ist ( gemessen an der Höhe ) nur das zweitgrößte Gebäude in dieser Stadt. Bei seiner Fertigstellung im Jahr 2009 hielt es einen Rekord, es war damals das höchste Wohngebäude der Welt. Nur so aus Spaß schaue ich mir die Webseite vom Trump International Hotel an. Brunch am Muttertag für 235,- Dollar pro Person. Auch hier gilt : Teurer geht immer.

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Eine 90-minütige Flussfahrt über den Chicago River gehört zu unserem selbstgewählten Programm. Das Ufer zu beiden Seiten des Flusses ist für die Freizeitgestaltung der Einwohner von sehr großer Bedeutung. Architektur-Studentin Claire erzählt spannend über die Geschichte dieser Stadt und die Entstehung der Skyline. Chicago wurde von Designern geplant, und eine der Vorgaben war, einen gewissen Prozentsatz der Fläche für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Lebensqualität der Einwohner sollte verbessert und gleichzeitig die Effizienz des Handels gesteigert werden. Der Plan aus dem Jahr 1909 gilt als Meilenstein der modernen Stadtentwicklung. Dazu gehören ein riesiges, öffentlich zugängliches Seeufer, ein umfangreiches Parksystem, diagonale Hauptverkehrsstraßen und neue Bahn-Linien. Viele dieser Elemente wurden tatsächlich realisiert und prägen bis heute das moderne Stadtbild. Wirklich sehr gelungen. Ganz nebenbei erfahren wir interessante Details, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Ein Beispiel : In Chicago wird abends das Licht an den Wolkenkratzern gedimmt oder ausgeschaltet, um die Vögel nicht zu irritieren. Ebenso sind die Fensterscheiben mit Spezialfolie beklebt, damit die Vögel es sehen. Dies ist Teil der städtischen Richtlinien zum Vogelschutz. Chicago gefällt uns ausgesprochen gut.

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Big City ist immer laut und anstrengend. Wir schlafen erstaunlich lange und starten deswegen erst um 11.00 Uhr. Erste Station soll der Willis Tower sein, mit 442 Metern und 110 Stockwerken eines der höchsten Gebäude der Welt. Dieser Turm besteht aus neun quadratischen Säulen, die ineinandergreifen, um dem Wind in der "Windy City" zu trotzen. In der 103. Etage befindet sich Chicagos höchste Aussichtsplattform. Die Hauptattraktion ist "The Ledge". Das sind gläserne Balkone, die 412 Meter über dem Boden schweben und den direkten Blick in die Tiefe freigeben. Das ist nun wirklich etwas Besonderes. Allerdings müssen wir eine geraume Weile anstehen, bis wir an der Reihe sind. Dann hat jede Partie genau 90 Sekunden Zeit, um die wahnsinnige Aussicht nach unten wirken zu lassen. Tatsächlich wird ein Wecker gestellt, und an jedem Balkon wachen Aufpasser. Die meisten der Besucher vergeuden ihre 90 Sekunden damit, Faxen zu machen oder in die Luft zu springen. Selfies sind heutzutage oberwichtig für Facebook und Instagram und wie das alles heißt.

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Von da aus testen wir die Bus-Linien und fahren ca. 30 Minuten bis zum Lincoln Park. Ein kleiner Zoo mitten in der Stadt, der Eintritt ist sogar kostenlos. Wir haben schon schönere Zoos gesehen, aber die Zuchterfolge sind sehr gut. Es gibt ein Rhinozeros-Baby. Ein Geier-Küken ist erst kürzlich geschlüpft. Eine Zebra-Dame ist sichtlich schwanger. So wurden tatsächlich schon Tiere vor dem Aussterben gerettet, zum Beispiel der Davidshirsch. Ursprünglich aus China stammend, wurde diese Art in freier Wildbahn bereits vor mehreren hundert Jahren ausgerottet. Die heutigen Bestände stammen alle von Zoohirschen ab.

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Ein Teil des Parks wird von einem Teich dominiert, um den ein schöner Rundgang auf Bretterstegen angelegt wurde. Hier ist anscheinend der Gänse-Kindergarten. Wir schauen eine Weile zu, wie mehr als 20 Gänseküken dem Ufer zustreben und über den Fußweg stolpern. Zwei erwachsene Gänse passen gut auf die Brut auf, eine bildet die Vorhut, eine andere Gans bildet das Schlusslicht. Witzig. Wir haben viel Spaß an diesem Schauspiel.  

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Zurück mit dem Bus bis Downtown klappt prima. Öffentliche Verkehrsmittel sind in Chicago einfach und preiswert zu nutzen. Sehr zu empfehlen. Wir essen noch einmal beim Thai-Imbiss "Curry Blah Blah" und beschließen, es für heute gut sein zu lassen. Einig sind wir uns darin, dass Chicago die Hitliste der amerikanischen Großstädte anführt ( nach New York und Denver, an letzter Stelle Washington ). Vielleicht sollten wir noch einmal für länger kommen - am liebsten mit dem Boot.

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Es sind 750 Kilometer bis zu unserem nächsten Stopp. Wie haben die Reiseroute extra so weit nach Norden verlegt, weil wir unseren Freund Jonathan besuchen möchten. Die Gegend wird ländlich und flach, sobald wir den Großraum Chicago hinter uns gelassen haben. Riesige Grundstücke und hohe Silos prägen das Bild. Es riecht sogar nach Landluft, ein bisschen wie in Ostfriesland. Vor uns überquert ein Waschbär die Fahrbahn. Davon gibt es in dieser Gegend richtig viele, denn diese Pelztiere haben sich perfekt an die Zivilisation angepasst. Nur auf der Straße sollten sie besser aufpassen. Leider sehen wir eine Menge Fell und Blutspuren entlang der Interstate. Meistens handelt es sich um verendete Waschbären oder vereinzelt auch Rehe.

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Um 14.00 Uhr lesen wir auf einem Schild "Welcome to Wisconsin". Die nächste Staatengrenze müsste dann die nach Minnesota sein, wo wir uns mit Jonathan an den Taylor Falls treffen werden. Eine Baustelle nach der anderen und dichter Verkehr. Eigentlich hatten wir uns vorgestellt, dass die Straßen Richtung Norden weniger befahren sind. Aber es ist Freitag Nachmittag, außerdem ein verlängertes Wochenende wegen Memorial Day am Montag. Viel Wasser überall, Seen, Flüsse und Kanäle. Die Landschaft wird waldiger. Am Rande der Autobahn hat ein Bauer zwei Schilder gut lesbar auf seinem Feld platziert. Zusammen gelesen ergeben sie den Satz : "Lügen zerstört Amerika !" Da kann sich nun jeder seinen Teil zu denken.

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Nach Abfahrt von der Schnellstraße finden wir schnell einen Platz für die Nacht. Hohes Gras vor einer Schranke mit vielen Schildern, genügend Platz drumherum für 2-3 Autos. Es sieht aus wie ein zugewachsener Trailhead, der lange nicht benutzt wurde. Wunderbar. Das beste Schild sagt : "Public Property" - also ist es sogar erlaubt, hier über Nacht zu stehen. Ein Reh spaziert über die Wiese, bleibt vor dem Wagen stehen und guckt uns verwundert durch die Scheibe an.

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Nachts und morgens Regen bei 9°. Wir sind sehr früh unterwegs für die letzten Meilen bis zum Treffpunkt. Der Saint Croix River bildet die Grenze zwischen Wisconsin und Minnesota. Für 11.00 Uhr am Samstag hat Jonathan eine 80-minütige Bootstour mit einem historischen Raddampfer gebucht. Pünktlich zum Start wird das Wetter besser. Während der entspannten Flussfahrt bekommen wir Ausblicke auf bis zu 60 Meter hohe Klippen und einzigartige Felsformationen. Ein besonderes Naturphänomen im Taylor Falls Park sind die Gletschermühlen. Hierbei handelt es sich um bis zu 18 Meter tiefe Löcher, die vor etwa 10.000 Jahren entstanden sind, als sich die Gletscher zurückzogen.

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Nach dem Mittagessen in einem typisch amerikanischen Grill-Restaurant folgt als nächster Programmpunkt etwas Kunst zum Anfassen. Nicht weit vom Bootsanleger entfernt liegt der Franconia Skulpturen-Park. Das ist ein riesiges Outdoor-Museum. Der Eintritt ist frei, um eine Spende für's Parken wird gebeten. Das Gelände ist so weitläufig, dass wir einen Elektro-Karren ausleihen. Jonathan fährt und hat riesigen Spaß dabei, abseits der Wege und möglichst knapp um die Hindernisse zu kurven. Ich sitze verkehrt herum auf der Rückbank und muss aufpassen, dass ich bei diesem Fahrstil nicht unsanft abgeladen werden. Überall sind abstrakte Kunst-Objekte aus unterschiedlichen Materialien zu entdecken. Muss man nicht alle verstehen, die Gedanken der Künstler und Erklärungen auf den Tafeln sind für Laien nicht unbedingt leicht zu durchschauen.

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Jonathan wohnt in Rice, einer Kleinstadt mit etwa1300 Einwohnern, etwas nördlich von St. Cloud gelegen. Auf dem Weg dorthin besichtigen wir noch die Saint Paul Kathedrale in Minneapolis. Wirklich ein Schmuckstück. Beim Frühstück erfahren wir eine Menge über die Amish People, die in Minnesota weit verbreitet sind. Man erkennt ihre Häuser daran, dass keine Strommasten zu sehen sind. Diese Gemeinschaft pflegt einen sehr traditionellen, technologie-fernen Lebensstil. Sie leben ohne fließend warmes Wasser, Strom und Telefon. Auf den Landstraßen muss man deshalb besonders vorsichtig fahren, denn die Amish People gehen zu Fuß oder sind mit Pferdekutschen (Buggies) unterwegs. Fotografieren und Filmen ist aus Respekt vor ihrem Glauben strengstens untersagt. Untereinander sprechen die Amischen in Minnesota einen deutschen Dialekt, das sogenannte Pennsylvania Dutch. Es ist eine Mischung aus Pfälzer, Schweizerdeutsch und englischen Einflüssen.

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Die Urgroßmutter von Jonathan hat 1921 ein Häuschen am Otter Tale Lake gekauft. Dort werden wir die nächste Nacht verbringen. Viele Relikte aus der Vergangenheit sind immer noch vorhanden, Bilder und antike Möbelstücke. Zusammen besichtigen wir die historische Phelps Mill. Das ist eine gut erhaltene historische Wassermühle, die 1888/1889 erbaut wurde und ein florierendes Zentrum für die Weizenverarbeitung gewesen ist.

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Anschließend besuchen wie einen Freund, dessen Ferienhaus direkt am Ufer eines anderen Sees gelegen ist. Eigener Steg direkt von der Terrasse bis zum Bootsanleger mit Motorbooten, Jet-Ski und anderen Fahrzeugen für Spaß auf dem Wasser. Unfassbarer Reichtum. Wir dürfen uns die Kajaks aus der Garage holen und paddeln eine Runde. Mehrere Reiher starten und landen im Schilf. Ein Weißkopf-Seeadler fliegt knapp an uns vorbei, während ich Mühe habe, den Kurs zu halten.

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Abends wird gegrillt, danach sitzen wir noch mit einem Bierchen am Wasser. Wir bekommen das volle Programm geboten. Weite Reise, aber der Besuch bei unserem Freund war von Anfang bis Ende schön. Sehr angenehme Gesellschaft, Jonathan passt wirklich gut zu uns.