Wir segeln und wandern durch die Welt

Goldsteig 3. Woche

Am Abend unserer Ankunft in Marburg erschrecken wir über einen ausgeprägten roten Fleck bei Thomas unter der Brust. Dieses feuerrote Mal befindet sich genau an der Stelle, wo Thomas vor gut 2 Wochen eine Zecke entfernt hat. Das muss nicht, kann aber üble Folgen haben. Wir sind alarmiert.
Der Montag steht völlig im Zeichen unserer Familienfeier. Von morgens bis abends beschäftigt, verbringen wir einen unvergesslichen Tag mit Tochter, Sohn, den engsten Verwandten und Freunden. Dafür sind wir hier – ein ganz besonderer Anlass, für den sich die Unterbrechung der Wanderung und die lange Anreise gelohnt hat. 🙂
Dienstag früh telefoniert Thomas sich durch das Ärzte-Register, bekommt auch schnell einen Termin in der Nähe und hat eine Stunde später die Diagnose : Borreliose – eine Krankheit, die durch Zecken übertragen wird. Ein typisches Zeichen, das bei etwa 90% der Fälle auftritt, ist die sogenannte Wanderröte. Dabei handelt es sich um eine ringförmige Hautrötung, die sich über Tage langsam nach außen verbreitet. Die Wanderröte entwickelt sich drei bis 30 Tage nach einem Zeckenstich. Borreliose kann unterschiedlich schwer verlaufen und betrifft überwiegend die Haut, aber auch das Nervensystem, die Gelenke und das Herz können betroffen sein. Thomas bekommt ein Rezept für ein starkes Antibiotikum,  4 Wochen lang 2 x täglich einzunehmen, also schon ziemlich starker Tobak. Aber gut, dass wir aufmerksam genug waren und mit dem Gang zum Arzt und zur Apotheke das Problem relativ leicht zu lösen war.

Rückreise von Marburg am Dienstag, den 14. Juli. Ankunft des Zuges in Zwiesel um 21.05 Uhr. Nur knapp eine Stunde Tageslicht, um etwa 5 Kilometer aus der Stadt heraus zu laufen und das Zelt aufzustellen. Bis nach Passau liegen noch etwa 170 Kilometer vor uns. Der Wetterbericht ist sehr schlecht, in den nächsten Tagen liegt die Regenwahrscheinlichkeit immer zwischen 70 und 90 %. 🙁 Keine guten Aussichten für die letzte Etappe.

Unser Weg führt durch den Skulpturenpark „Gläserne Gärten von Frauenau“. Die Himmelsschale sowie die Glas-Arche von Ronald Fischer, einem lokalen Künstler aus Zwiesel, sind besonders beeindruckend. Die niederländische Künstlerin Jeanne Melief zeigt, was man aus Totholz alles machen kann. Eine abgestorbene Eiche am Museumsteich wird mit unzähligen Buntglassteinchen, leuchtenden Farben, Blattgold und Silberfolie zum Hingucker.

Anschließend steigen wir auf zum Wagensonnriegel, auf dessen Gipfel eine kleine Kapelle steht. 959 Meter hoch, Wetter ist ganz okay, so dass wir tatsächlich eine schöne Aussicht haben. Einige Etappen lang begleiten wir den Wanderweg „Gläserner Steig“, das sind 99 Kilometer,  auf denen die Spuren der uralten Handwerkskunst bewundert werden können. In Riedlhütte kommen wir vorbei am Wald-Glas-Garten, der sich in Privatbesitz des Künstlers befindet.
Den Nachmittag über laufen wir im Nationalpark Bayerischer Wald, achten aber sehr darauf, dass wir zum Zelten wieder außerhalb sind. Typisches Landschaftsbild : Granituntergrund und Mischwald, überwiegend Fichten und Buchen. Schöne Wege, weiches Laub, angenehm zum Wandern. Der Bestand an Rotwild und Wildschweinen hat seit der Gründung im Jahre 1970  dermaßen zugenommen, dass er inzwischen reguliert werden muss. Während wir abends schon im Schlafsack liegen, ist ganz in der Nähe ein Galoppieren und lautes Knacken zu hören. Das hört sich nach einem Hirsch an, kein Grund zur Aufregung.

Fast 12 Stunden geschlafen, so etwas schaffen wir nur auf einem besonders ruhigen Platz im Wald. Heftiger Regen die ganze Nacht hindurch, und kalt war es. Der Himmel hat alle Schleusen geöffnet. Auch morgens gießt es noch, wir sind nicht besonders motiviert. Bleiben tatsächlich bis um 11.30 Uhr im Zelt, dann packen wir das nasse Zeug zusammen und laufen schlappe 5 Kilometer bis nach Neuschönau. Einkehr im Gasthaus, erstmal Mittagessen, danach das Wetter im Internet abchecken. Es sieht so aus, als wollte es nie wieder aufhören zu regnen, wenigstens nicht in den nächsten 4 Tagen. Das müssen wir uns nicht antun und buchen ein Zimmer für diese Nacht. Richtige Entscheidung ! Wir feuen uns ab 15.00 Uhr über den Luxus von Dusche, Heizung, Fernseher und Bett. 🙂

Leichter Regen beim Start aus Neuschönau. Wir sind mehr als ausgeruht und kommen schnell voran. Gutes Gelände, weicher Waldboden, der angenehm unter den Füßen federt. Das Wetter bleibt durchwachsen und kühl. Deswegen laufen wir ohne Pause knapp 20 Kilometer durch bis nach Mauth. Von da aus führt der Pfad steil nach oben zum Almberg in 1139 Meter Höhe. Einsame Wanderung. Wir treffen nur eine junge Familie auf der Aussichtsterrasse. Der Nationalpark liegt jetzt hinter uns. Auf dem nächsten Stück wundern wir uns über die zahlreichen Ameisenhaufen links und rechts. Auffallend viele Hügel in allen erdenklichen Größen, überall wimmelt es von Ameisen. Die scheinen diesen Buchenwald zu mögen und verbessern ganz nebenbei die Bodenqualität. In Phillippsreut kommen wir an einem Brunnen vorbei, an dem wir uns mit dem nötigen Abend- und Kaffeewasser eindecken. Damit sind wir unabhängig, finden aber lange keinen geeigneten Zeltplatz. Alles ist nass und total aufgeweicht vom starken Regen der letzten Tage, der Boden ist fast sumpfig. Also müssen wir länger laufen, als uns lieb ist. Der Goldsteig führt jetzt stetig in die Höhe. Die Vegetation ändert sich, und der Untergrund wird trockener. Feierabend gegen 20.00 Uhr. Beim Abendessen nerven unzählige kleine Insekten, die uns um die Köpfe schwirren und in die Schüssel fliegen. Wir haben nur noch etwa 100 Kilometer bis nach Passau.

Wieder eine kalte Nacht mit heftigem Regen, der Blick aus dem Zelt morgens zeigt dicke Nebelsuppe. Es geht weiter bergauf, nur 2 Kilometer voraus liegt der 1167 Meter hohe Berg Haidel. Wir klettern auf den 35 Meter hohen Aussichtsturm und bewundern diese tolle Konstruktion. Oben ist man auf dem höchsten Punkt weit und breit, die dunkelgrünen Wälder liegen unter uns. Der Rundumblick zeigt Berge zu allen Seiten, bei klarem Wetter könnte man bis zu den Alpen blicken. Leider keine Weitsicht für uns, denn es ist immer noch grau und neblig.Der Tag bringt nicht viel Besonderes. Ein niedlicher Maulwurf liegt tot auf dem Weg. Schade – so ein hübsches Tier und überhaupt keine äußeren Verletzungen. Wir rätseln darüber, was dem wohl passiert ist. Ein ständiger Nieselregen begleitet uns, die Kälte kriecht langsam in alle Knochen. Zur Mittagszeit finden wir einen Unterstand für Jäger, der uns zur Pause einlädt. Winzig klein, aber mit einer Bank, auf der wir gerade nebeneinander sitzen können. So können wir wenigstens im Trockenen essen. Nach einer Stunde sind wir satt, aber durchgefroren. Es wird Zeit, dass wir weiterlaufen, und zwar schnell. Die Landschaft ist ohne jeden Reiz, bestenfalls langweilig, eigentlich sogar ziemlich hässlich. Etwa 10 Kilometer laufen wir auf einer Forststraße durch ein trostloses Gebiet mit wenig Baumbestand, dafür aber umso mehr Fahrspuren. Der Regen hat ganze Arbeit geleistet, zu beiden Seiten der Straße fließt uns schmutziges Wasser entgegen. Ungefähr eine halbe Stunde lang folgen wir einem schmalen Pfad entlang des Osterbachkanals. Dicht an dicht stehen Sträucher mit roten Johannisbeeren. Endlich mal ein schönes Stück, leider viel zu kurz – dann wieder Straße. Nicht so toll heute, darüber sind wir uns einig. Um 16.00 Uhr stehen wir am Abzweiger zum Gipfel des Dreisessel. Nur noch 5 Kilometer, aber bei dem schlechten Wetter macht es überhaupt keinen Sinn, noch weiter in die Höhe aufzusteigen. Ein kleiner Umweg bringt uns nach Haidmühle, wo wir ein paar Stunden das schlechte Wetter verbummeln möchten. Der einzige Laden hat geschlossen, zwei Cafés, mehrere Gasthäuser …. alles zu. Was tun ? Es sind nur 2 Kilometer bis zur tschechischen Grenze. Vielleicht haben wir da mehr Glück und können irgendwo einkehren. Keine 5 Minuten dauert es, dann haben wir unsere Entscheidung getroffen. Wir werden vom Original-Goldsteig abweichen und den Weg zum Dreisessel-Berg durch Tschechien wandern. In Nové Údoli ( Neuthal ) gibt es keine Wohnhäuser, aber tatsächlich eine geöffnete Gaststätte. Zünftiges Essen, günstige Preise, zwei Stunden Trocknen und Aufwärmen. Nach dieser Pause schlagen wir einen rot-weiß-markierten Wanderweg ein, der ebenfalls zum Dreisessel führt, nur 8 Kilometer bis auf den Gipfel. Zu beiden Seiten der Straße wachsen Blaubeeren, die sind reif, aber erstaunlich sauer. Eine knappe Stunde vom Gasthof entfernt stellen wir unser Zelt im nassen Moos auf. Um 20.00 Uhr liegen wir schon wieder im Schlafsack. Schietwetter, seitdem wir von Marburg wieder zurück auf dem Goldsteig sind. In den letzten 4 Tagen haben wir gerade einmal 5 Minuten die Sonne gesehen.

Alles ist feucht, der Wald ist furchtbar matschig. Ein Tag mit 700 Höhenmetern Aufstieg liegt vor uns. Unser Wanderführer klassifiziert diese Etappe mit „schwer“. Wir sind gespannt. Entlang der Grenze steigen wir auf einem schmalen Pfad steil bergauf und erreichen nach etwa einer Stunde den Tschechischen Nationalpark. Endlich können wir uns mal wieder so richtig anstrengen.  Der Dreisesselberg (1333 m.) ist ein Berg unweit des Dreiländerecks zwischen Böhmen, Bayern und Österreich. Er ist einer der bekanntesten und meistbesuchten Gipfel des Böhmerwalds mit seinen bizzaren Felsformationen und weiten Ausblicken bis auf die Gipfel der Alpen. Auf einer Aussichtsplattform gibt es tatsächlich 3 Sitzmulden in verschiedenen Richtungen. Das Wetter beginnt aufzuklaren. Oben scheint sogar ein paar Minuten die Sonne, dann fängt es wieder an zu regnen. Nur ein kurzer Schauer, dafür schieben sich Nebelbänke immer näher. Aprilwetter. Die etwa 5 Kilometer lange Passage auf dem Hochkamm ist auf jeden Fall toll, auch wenn die Aussicht aufgrund des Nebels begrenzt ist. Trotzdem ein interessanter Pfad durch alpines Gelände mit Krüppelbäumen, niedrigen Büsche und Felsen. Nicht technisch schwierig, aber anspruchsvoll. Man muss schon aufpassen, wo man seine Füße hinsetzt. Etwa eine Stunde lang klettern und balancieren wir durch das „Steinerne Meer“ mit seinen riesigen Felsplatten und Granitblöcken. Sonne-Wolken-Mix, ein bunter Regenbogen spannt sich hinter uns am Himmel, in der Ferne regnet es. Das muss über dem Dreisessel-Berg sein. Am Nachmittag überqueren wir abermals eine Grenze und machen Pause in Österreich. Es folgt eine kurze Phase mit Sonne, in der wir unser Zelt zum Trocknen aufstellen. Während der Wartezeit trinken wir tschechisches  Bier, gestern an der Grenze günstig eingekauft, aber wegen der Radler im Gasthaus dann doch nicht getrunken. Weiter geht es Richtung Einsiedelberg.  „Einsiedelei Nr. 1“ – dort steht wirklich ein Haus ganz alleine, welches in früheren Zeiten von den Stadtvätern einem Einsiedler zum Geschenk gemacht wurde. Donnergrollen ist in nicht allzu weiter Entfernung zu hören …. vielleicht kommt ja doch noch ein Unwetter. Gestartet sind wir morgens in Tschechien, von dort sind wir nach Deutschland gewandert, dann 10 Kilometer durch das Nachbarland Österreich. Wir befinden uns im Dreiländereck. Wieder passieren wir ein Schild mit „Staatsgrenze“. Über eine Holzbrücke laufen wir von Österreich zurück nach Bayern. Leckere Himbeeren wachsen am Wegesrand, auch ein paar wilde Erdbeeren dazwischen. Insgesamt ein sehr schöner Nachmittag mit idyllischer Landschaft, sanften Hügeln und sattem Grün. Ein Reh läuft äsend über den von uns ausgeguckten Lagerplatz, während wir in einiger Entfernung mit unserem Abendessen auf einem Baumstamm sitzen. Es gibt mein neues Lieblingsessen, und das zum 3. Mal nacheinander : Gaggli Nudel-Nestchen, in Broccoli-Cremesuppe gekocht. Wir sind wieder versöhnt mit dem Goldsteig und dem Wetter, auch wenn uns noch ein kurzer Regenschauer erwischt, bevor das Zelt steht.    

Geschafft ! Kein Regen mehr in der Nacht, Sonnenstrahlen scheinen ins Zelt, das Tief ist anscheinend durch. Alles ist trocken, der Poncho kann heute im Rucksack bleiben. Da sieht die Welt doch gleich ganz anders aus, wenn man draußen lebt. Durch die schlechten Witterungsbedingungen sind wir in den letzten Tagen zu schnell gelaufen. Nun haben wir wieder Zeit übrig, wenn das mit unserem Aufenthalt in Passau und der gebuchten Bahnfahrt gut hinkommen soll. Deswegen machen wir bereits um 11.00 Uhr eine lange Rast in Sonnen. Direkt vor dem Rathaus, neben der Kirche, stehen Bänke mit Picknick-Tisch in einem kleinen Park. Einen kleinen Einkaufsladen gibt es gleich um die Ecke, alles Faktoren für eine perfekte Frühstückspause. Gleich hinter dem Ort passieren wir ein Kreuz, daneben eine Metallplatte mit eingraviertem Text. Es handelt sich um ein Mahnmal für einen 10-jährigen Jungen, der am 1. März 1945 an dieser Stelle von einer Panzerfaust getroffen den Tod fand. Tragisch – so kurz vor Beendigung des Zweiten Weltkrieges. Nur wenige Kilometer weiter stehen wir vor einem dicken Felsbrocken, dessen Inschrift vier jungen Einheimischen gewidmet ist, die hier ebenfalls im 2. Weltkrieg bei einem Luftkampf ums Leben kamen. Wir sind erschüttert von diesem Wahnsinn. 🙂

Der Goldsteig führt uns über die letzten Hügel. Am Wegesrand gibt es wieder süße Himbeeren zum Naschen. Thomas probiert Haselnüsse vom Strauch, die schmecken allerdings noch nicht besonders gut. Es geht hinauf zum Oberfrauenwald-Gipfel mit 950 Metern Höhe. Dort befindet sich das Nordische Zentrum mit seiner Skisprung-Schanzenanlage. Oben auf dem Plateau steht ganz unerwartet ein Turm. Der Aussichtsturm am Oberfrauenwald ist 27 Meter hoch und kann über eine stabile Metalltreppe bestiegen werden. Von der Aussichtsplattform aus haben wir einen schönen Rundum-Blick. Wir sehen noch einmal den Dreisessel-Berg und den Hochkamm, auf dem wir gestern mehrere Stunden gelaufen sind. Passau ist gar nicht mehr weit.
Von nun an geht der Weg nur noch bergab. Durch dichten Wald wandern wir abwärts ins Tal bis zum Freudensee. An einem heißen Tag wie heute herrscht hier Badebetrieb. Für uns viel interessanter ist jedoch der Kiosk mit Terrasse, wo wir eine weitere Stunde gemütlich im Schatten sitzen und darauf warten, dass es Abend wird. Noch keine 18.00 Uhr, aber weiter dürfen wir heute nicht laufen. 3 Radler und eine Eis-Schokolade weiter passt die Zeit. Ein Stück zurück auf dem Goldsteig, dann in einen Seitenweg und die vorletzte Nacht im Zelt einläuten. Kleiner Ekel-Schock beim Zubereiten der Abend-Mahlzeit ist eine Nacktschnecke, die auf meiner Plastikschüssel sitzt.   

Unsere auserwählte Bank am See ist morgens frei. Gemütliches Kaffeetrinken, während hinter uns die Jogger und Hundegänger laufen. Es ist nur ein kurzer Weg bis nach Hauzenberg, einem größeren Ort mit 12000 Einwohnern. Und natürlich gibt es dort auch einen Einkaufsladen : Kaufland lockt mit einem Café, freiem WLAN usw. Unser Gepäck haben wir während des Einkaufs vor dem Laden abgestellt. Als Thomas seinen Rucksack später anhebt, da wimmelt es an dieser Stelle von Ameisen. Ein Kribbeln und Krabbeln auf dem Fußboden, das uns ziemlich fassungslos macht. Wir kommen die denn alle her ? Wir verschwinden lieber erstmal nach draußen und laufen die nächste Etappe. Es ist heiß, die Sonne brennt. Ich bin total von Mücken zerstochen, die sich während der Regentage im feuchten Wald offensichtlich gut vermehrt haben. Dicke Quaddeln, z. T. entzündet, dazu etliche Ameisenbisse. Nein, Insekten werden nie meine Freunde. Bären und Schlangen sind okay, aber Mücken, Ameisen, Nacktschnecken und Ohrenkneifer machen mich nervös.
Die nächste Rast genießen wir im Schatten auf der Bank an einer kleinen Kirche. Da entdecken wir die reinste Ameisen-Invasion im Rucksack von Thomas. Alles wird ausgepackt, gedreht, gewendet und geschüttelt. Unser Kochschinken und Gouda sind schwarz von Insekten. Der Futterbeutel, den wir sonst nachts immer aufhängen, hat anscheinend die Ameisen angelockt. Uns ist der Appetit vergangen, Schinken und Käse landen im Gebüsch. Die Plastik-Verpackungen werden eng zusammengerollt in einem Zipp-Beutel verschlossen und in der Hand bis zum nächsten Mülleimer getragen.
Im kleinen Ort Kellberg gibt es schon wieder einen Edeka und eine passende Bank dazu. Außerdem ein plötzliches Gewitter mit kurzem, aber heftigem Regenschauer. Irgendwie schlagen wir die Zeit tot. Was für eine Eierei in den letzten Tagen, weil wir erst am morgigen Mittwoch in Passau erreichen möchten ! Um 18.00 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg, dürfen aber höchstens noch 5 Kilometer zurücklegen, damit wir nicht zu nahe an die Stadt kommen. Heute werden wir noch einmal unser Zelt im Wald aufstellen, damit wir das Geld für die Übernachtung sparen können. Erstaunlicherweise gibt es ein schönes Waldstück mit perfekt geradem Boden. Leider beinahe neben einer Hauptstraße, das lässt sich wohl nicht vermeiden, wenn man sich einer Großstadt nähert. Also Verkehrslärm inclusive, aber das ist uns in der letzten Nacht völlig egal.

Wir haben beide schlecht geschlafen und sind früh wach. Reisefieber ? Oder ist es einfach das dumme Gefühl, dass unsere Wanderung zu Ende geht ? Wir sind nur noch knapp 2 Stunden von unserem Ziel entfernt. Anders als erwartet zeigt sich der Goldsteig bis zum Schluss von seiner besten Seite. Wir laufen eine sehr schöne Strecke und schleichen sozusagen durch die Hintertür hinein. Unser Weg führt um die Häuser-Bebauungen herum, auf schmalen Pfaden und durch Wald, grüne Hügel bis in die Stadt. Ein toller Abschluss oben an der Burg. Die Veste Oberhaus, eine Festung aus dem 13. Jahrhundert, thront oberhalb der Dreiflüsse-Stadt. Über den alten Wehrgang steigen wir hinunter zur Altstadt. Durch die Schießscharten sind von oben ganz deutlich die drei unterschiedlichen Farben der Flüsse zu erkennen. Im Dreiländereck öffnet sich die Landschaft zum weiten Blick über das Donautal und das Mühlviertel.
Auf der höchsten Erhebung der Altstadt steht der Dom St. Stephan und beeindruckt mit einem barocken Kirchen-Innenraum und seinen hellen Deckengemälden. Die 5 Orgeln bilden mit 233 Registern und 17974 Pfeifen die größte Domorgel der Welt. Passau liegt an der Grenze zu Österreich sowie am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz, auch Dreiflüsse-Eck genannt. 52000 Einwohner, eine bunte Mischung aus Studenten, Touristen, nette Geschäfte, einfach eine gelungene Mischung. Uns gefällt’s. 🙂


Insgesamt waren wir 5 Wochen mit Rucksack und Zelt unterwegs – 800 Kilometer von Dresden bis Passau. Wandern in Deutschland ist anders, aber hat auch seinen Reiz !

Ein Kommentar zu “Goldsteig 3. Woche

  1. Twiganauten

    Gratuliere!!!!!! Liebe Frauke, danke, ich genieße es sehr, deine Berichte zu lesen, richtig zum Mitfühlen. Am Dreisesselberg endete für Peter unsere Radtour im letzten Jahr, er stürzte über eine steile Böschung, 10 Tage Krankenhaus in Freyung, ich blieb noch einige Tage in Haidmühl, bevor ich wieder nach Hause fuhr. Ihr ward schon sehr nahe an unserem neuen Zuhause und wir hoffen sehr, der nächste Weitwanderweg führt euch zum Nebelstein, denn wir wollen euch unbedingt wieder sehen. Unser Thema ist derzeit die Moldau und wir wollen Ende der Woche mit unserem Boot die Moldaukaskaden fahren.
    Busserl aus Weitra Helga und Peter

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