Wir segeln und wandern durch die Welt

Lanzarote bis 24.01.2019

Sonntag haben wir immer noch kabbelige Wellen und viel Wind aus der falschen Richtung. Auflandig – nicht gut. Da suchen wir doch lieber das Weite. Aufholen des Ankers samt 50 Meter Kette dauert seine Zeit, aber klappt besser als erwartet. Eingespieltes Team. ­čÖé Wir verlassen unseren Ankerplatz bei La Graciosa um 14.30 Uhr in Richtung Westen und motoren entlang der unwirtlichen Steilk├╝ste von Lanzarote. Die elektronische Seekarte zeigt nur eine einzige Bucht, die so halbwegs zum Ankern geeignet sein k├Ânnte. Es ist m├╝hsam. Mit jeder weiteren Seemeile erwarten wir, dass wir endlich in den Schutz der Insel Lanzarote kommen – aber Pustekuchen. Auf der Backbord-Seite ragen einige dicke Felsen aus dem Wasser. Das sind die „Los Bajos“, an denen die Gischt meterhoch spritzt. Ein Strand kommt in Sicht, die Wellen brechen. Schon von Weitem sehen wir eine lange Reihe von Wohnmobilen an der K├╝stenstra├če parken. Playa de Famara scheint ein Surfer-Mekka zu sein. Tolle Brandung, jedoch bestimmt nicht der richtige Ort, um mit dem Dingi zu paddeln. Vor uns liegt der kleine Ort La Caleta de Famara, wir m├Âchten aber gar nicht an Land. Sieht wenig gem├╝tlich aus. Es ist kaum vorstellbar, dass wir hier die Nacht verbringen werden. Vielleicht sollten wir lieber doch gleich durchsegeln bis Gran Canaria oder Teneriffa ? Gegen die aufgew├╝hlte See brauchen wir volle 3 Stunden f├╝r knapp 7 Seemeilen. Unsere Seekarte bezeichnet den Ankergrund mit „Stein“. Was f├╝r Stein ? Runde Felsen, glatte Platten oder einfach nur Ger├Âll ? Wir versuchen es. Schlechter Halt – war klar. Der Anker slippt im ersten Versuch, aber wir haben bei jetzt ablandigem Wind viel Platz nach hinten. Soll er doch rutschen …. Immer wieder R├╝ckw├Ąrts-Gang, bis der Anker dann doch packt. Wir liegen auf 9 Meter Wassertiefe mit Raum nach allen Seiten. Thomas l├Ąsst 70 Meter Kette ausrauschen. Das sollte bei allen Bedingungen reichen, damit wir gut schlafen k├Ânnen.

Ruhige Nacht. Der Blick nach drau├čen zeigt blauen Himmel, blaues Meer und wenig Wellen. Auch die Vorhersage ist g├╝nstig, der Wind soll bald wieder auf Nord-Ost drehen. Wir haben noch nicht genug von La Graciosa. Die 70 Meter Kette sind mit Muskelkraft so schnell aufgeholt, dass ich es gar nicht richtig mitkriege. Ich wundere mich nur, dass Thomas pl├Âtzlich das Segel dichtholt und wir schon Fahrt aufnehmen. ­čśë Gegen Mittag geht es los, wir verholen zur├╝ck in unsere Ankerbucht an der Playa Francesa.
Thomas bastelt Tauwerk-Sch├Ąkel. Die sehen inzwischen so gut aus, dass wir sie verkaufen k├Ânnten. Die Steuerung wird gewartet, gefettet, die Ketten strammer eingestellt. An der Genua ist das Liektau vom Achterliek kaputt, es muss auf etwa einem Meter L├Ąnge wieder festgen├Ąht werden.

Wir starten am Mittwoch mit frisch geputzten Fensterscheiben und sauberer Solar-Paneele. Ein kleiner Zwischenfall verz├Âgert unsere Abreise. Hut ├╝ber Bord. ­čśë Bei einer Wassertemperatur von 19┬░ wird nicht lange gez├Âgert, Thomas springt ├╝ber Bord und rettet seinen Hut. Wundersch├Âner Segeltag ! ­čÖé Wir m├Âchten eigentlich gar nicht aufh├Âren …. Unser Ziel Arrecife ist viel zu schnell erreicht. Schon nach 6 Stunden sind die Leinen fest am Steg der Marina. Dabei hatten wir uns extra den Wecker gestellt und mit einem vollen Segeltag gerechnet. Die Distanz von 28 Seemeilen in direkter Linie haben wir heute ausnahmsweise schnell zur├╝ckgelegt. Der Wind hat einfach prima gepasst.

Leichte Einfahrt in die Marina Lanzarote bei sehr guter Sicht und wenig Schiffsverkehr. Nur ein schnelles Motorboot f├Ąhrt vor uns in den Hafen, au├čerdem ein ortskundiger Segler, den wir gerne vorlassen, w├Ąhrend wir uns noch orientieren. Sehr, sehr freundlicher Empfang ! Wir wundern uns etwas ├╝ber die vielen Formulare, die wir ausf├╝llen m├╝ssen. Offizielles Einklarieren mit einigen Seiten Papierkram f├╝r die Hafenpolizei und das Marina-B├╝ro. Sowohl in Cherbourg als auch in Roscoff wurden wir nicht nach den Schiffspapieren gefragt, die wollten noch nicht einmal unsere Ausweise sehen. Die Kanarischen Inseln geh├Âren politisch zu Spanien, immerhin befinden wir uns hier in der EU. Nun denn, dieses Frage- und Antwort-Spiel kennen wir ja bereits. Der Preis ist hei├č – eine komplizierte Rechnung aus L├Ąnge mal Breite multipliziert mit 0,38 Cent plus Lighthouse Tax l├Ąsst uns mit der Walkabout auf knapp 18,- Euro pro Tag kommen. Daf├╝r ist die Marina richtig schick, das Stadtzentrum nur 10 Minuten Fu├čweg entfernt. Top ! ­čÖé Hier bleiben wir ein paar Tage.

Arrecife ist die Hauptstadt von Lanzarote, mit 60.000 Einwohnern ein starker Kontrast zum 700-Seelen-Dorf auf La Graciosa. Die sch├Âne Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen l├Ądt zum Bummeln ein. Caf├ęs und Restaurants entlang einer idyllischen Lagune haben Tische und St├╝hle drau├čen stehen. Es gibt kleine Holzbr├╝cken f├╝r die Fu├čg├Ąnger zum ├ťberqueren. Spazierengehen in den Parkanlagen mit Palmen und bl├╝henden Hecken sowie das lebhafte Treiben auf den Pl├Ątzen machen Urlaubsstimmung. S├╝dliches Flair und milde Temperaturen – ganz anders als noch vor einem Monat in Frankreich.

Freitag gibt es dann doch die ersten Regentropfen seit Roscoff, aber es ist warmer Regen. Und sehr viel Wind, das war vorhergesagt und der Grund daf├╝r, dass wir Schutz in einer Marina gesucht haben. Wir m├Âchten gerne wandern, w├Ąhrend das Boot sicher und fest am Steg liegt. So richtig gut funktioniert das nicht, mit den ├Âffentlichen Bussen an die entlegenen Ausgangspunkte zu kommen. Wir mieten uns ein kleines Auto f├╝r zwei Tage, mit dem wir in unserem eigenen Tempo auf Erkundungstour gehen. Zun├Ąchst fahren wir hinunter in den S├╝den. Dort liegt der Ort Playa Blanca, an dem es tats├Ąchlich wei├čen Sandstrand gibt. Untypisch, denn Lanzarote ist eine Insel vulkanischen Ursprungs. Logisch, dass Playa Blanca wegen dieser Besonderheit ein Anziehungspunkt f├╝r sonnenhungrige Urlauber ist. Alles sehr touristisch erschlossen, schick hergerichtet, irgendwie wirkt der ganze Ort k├╝nstlich. Uns gef├Ąllt es nicht. Spaziergang entlang der Promenade zur Marina Rubic├│n. Dasselbe Bild, schicki-micki, sieht teuer aus, nichts f├╝r uns.
An der ├Ąu├čersten S├╝dspitze von Lanzarote steht der Leuchtturm Faro Pechiguera. Ein toller Platz f├╝r unser Fr├╝hst├╝ck auf den Klippen mit Blick auf den aufgew├╝hlten Atlantik. Wei├če Schaumkronen tanzen auf dem Wasser. Kr├Ąftiger Wind, bestimmt nicht gem├╝tlich zum Segeln. Reichlich Sonne und aerosolhaltige Luft in der Pause.

Danach machen wir einen Abstecher zu den Salz-Salinen an der Westk├╝ste. Das ist eine Salzgewinnungs-Anlage, bestehend aus etwa einem Dutzend terrassenf├Ârmig angelegter Rechtecke. Die Salinas de Janubio befinden sich etwas au├čerhalb vom Fischerdorf El Golfo und sind durch eine Landzunge vom offenen Meer getrennt. Bei Sonneneinstrahlung schimmern die Becken in faszinierenden Farbt├Ânen. Die verschiedenen Farben entstehen vermutlich durch die unterschiedliche Trocknungs-Dauer. Von oben sieht es aus wie ein buntes Schachbrett-Muster.

Ebenfalls auf dem Weg liegen die H├Âhlen Los Hervideros, die durch Erosion an der s├╝dlichen Lavak├╝ste entstanden sind. Hier brechen die heranrollenden Wellen an den Felsb├Âgen und sorgen bei st├╝rmischem Wetter f├╝r ein wildes Szenario. Heute pr├Ąsentieren sich die Klippen mit ihren ausgewaschenen H├Âhlen eher zahm.

El Golfo sollte man sich ansehen, so steht es zumindest in unserer Karte der Touristen-Info. Nur ein kurzer Umweg ├╝ber eine kleine Nebenstra├če, aber der kleine Ort ist derma├čen ├╝berlaufen, dass wir sofort wieder umkehren. Da m├Âchten wir uns nicht einreihen, dann verbringen wir unsere Zeit doch lieber im Nationalpark. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer Kamel-Station vorbei. Etwa 20 Kamele liegen brav im schwarzen Lava-Sand und warten gesattelt auf zahlende G├Ąste. Das Besucherzentrum hat bereits geschlossen, wir werden es morgen noch einmal versuchen. Bei der Einfahrt zum Nationalpark Timanfaya steht ein Kassenh├Ąuschen. Kostet 8,- Euro pro Person, der Preis ist v├Âllig okay. Man darf selber nur 2 Kilometer hineinfahren, dann wird in einen Bus umgestiegen. Ein ├╝beraus geschickter Fahrer bugsiert unseren Bus ├╝ber schmale Wege, durch enge Kurven, vorbei an steilen Kanten, dass einem schwindelig werden k├Ânnte. Wir sind als Letzte eingestiegen und haben Pl├Ątze in der 1. Reihe links und rechts direkt hinter dem Fahrer. Freie Aussicht auf die Feuerberge – Monta├▒as del Fuego. Man kann die einzigartige Landschaft genie├čen, ohne selber auf die Stra├če achten zu m├╝ssen. Dazu bekommen wir in drei Sprachen interessante Informationen zur Geschichte der Insel und zur Entstehung dieser Landschaft. Touristen-Programm f├╝r Natur-Liebhaber, absolut lohnenswert, denn auf eigene Faust w├Ąre uns die Besichtigung dieses Gebietes nicht m├Âglich gewesen.
Zum Abschluss des Tages fahren wir hinauf an die Nordspitze Lanzarotes. Auf 475 Meter H├Âhe ist der Mirador del Rio wohl der beliebteste Aussichtspunkt der Insel. Von der Steilk├╝ste des Famara-Massivs hat man einen spektakul├Ąren Panoramablick auf die Meerenge Estrecho del Rio und die Insel La Graciosa. Wir k├Ânnen sogar 3 Segelboote an „unserem“ Ankerplatz erkennen.

Den n├Ąchsten Tag nutzen wir die Mobilit├Ąt unseres Wagens, um ins Inselinnere zu gelangen. La Caldera de Monta├▒a Blanca ist das Ziel, eine mehrst├╝ndige Vulkan-Wanderung. Die Wegbeschreibung aus dem Internet besagt, dass diese Tour an der Kirche Ermita de Los Dolores in Mancha Blanca beginnt. Es gibt einen Parkplatz, von dem aus Pf├Ąhle mit Markierungen losgehen. Also starten wir mal …. laufen ├╝ber die D├Ârfer und Felder. Neben dem Wirtschaftszweig Tourismus gibt es auf Lanzarote etwas Landwirtschaft, in der Hauptsache wird Wein angebaut. In einigen Gebieten werden Ziegen gehalten, aus deren Milch Ziegenk├Ąse in diversen Variationen traditionell hergestellt wird. Auch hier sind alle H├Ąuser flach gehalten und wei├č gestrichen. Auf La Graciosa waren die T├╝ren und Fensterl├Ąden satt blau gemalt, im Gegensatz dazu werden hier diese Akzente in dunkelgr├╝n gesetzt. Das gibt ein sch├Ân einheitliches Bild, egal, durch welches Dorf man f├Ąhrt. Ob das etwas zu bedeuten hat ? Und ob die beiden benachbarten Inseln sich abgesprochen haben ? Es liegen mehrere Berge und Vulkane um uns herum. Tja, welcher ist das wohl ? Nach einer Stunde merken wir, dass wir falsch gegangen sind, eine Ehrenrunde zur├╝ck zum Auto. H├Ątten ein St├╝ck weiter der Hauptstra├če folgen m├╝ssen, dort ist der Startpunkt unserer Tour deutlich zu erkennen. Macht ja nichts, der Tag ist noch jung, und wir sind gerade erst eingelaufen. Eine sch├Âne Wanderung, die zun├Ąchst durch ein endlos erscheinendes schwarzes Lava-Feld f├╝hrt. Dann beginnt ein gem├Ą├čigter Aufstieg ├╝ber griffige Felsen bis hinauf zum Kraterrand. Der Blick in den Kessel ist einzigartig.

Ordentlich windig ist es hier oben. Daf├╝r sind bei bedecktem Himmel und gelegentlichem Nieselregen angenehm wenig Leute unterwegs.
Nach 5 Stunden zu Fu├č schaffen wir es heute rechtzeitig zur├╝ck auf die Stra├če, um noch eine Stunde im Besucherzentrum zu verbringen. Mit Bildern, Plakaten und Filmen wird die Entstehung dieser Vulkan-Landschaft anschaulich erkl├Ąrt und gezeigt. Den Abschluss bildet die Vorf├╝hrung eines imagin├Ąren Vulkan-Ausbruchs im Keller des Museums.
Caleta de Famara schauen wir uns auch noch kurz an, das ist der Surfer-Ort, vor dem wir letztens geankert haben. Vom Boot aus haben wir eine schmale Spur entlang der Steilk├╝ste entdeckt. Da m├Âchten wir unbedingt in den n├Ąchsten Tagen wandern, deswegen nutzen wir das Auto und suchen den Einstieg zu unserer n├Ąchsten Tour.

Die Waden zwicken. Das gibt’s doch nicht ! Longtrails von insgesamt 13000 Kilometer L├Ąnge gelaufen, und nun habe ich nach einer Halbtages-Wanderung Muskelkater in den Beinen. Unglaublich – wir Segler sind wirklich nicht an solche k├Ârperliche Bewegung gew├Âhnt. ­čśë Das kann ja heiter werden im Sommer auf dem CDT. Wir haben noch ungef├Ąhr 1000 Kilometer nachzuholen, Start vor dem Yellowstone Nationalpark und dann von S├╝den nach Norden durch ganz Montana bis Kanada. In den Nationalparks darf man nicht einfach irgendwo unterwegs zelten, sondern muss vorher reservieren und bekommt seinen Platz fest zugeteilt. Ein Problem auf unserer ersten Etappe wird deswegen eine Tagesdistanz von 27 Meilen sein, das sind 43,5 Kilometer.
Mit dem Linienbus fahren wir bis nach Caleta de Famara. Von dort aus laufen wir den langen Sandstrand der Surfer und Kiter bis zum Ende, wo wir einen Pfad hinauf in die Berge nehmen. Eine Abzweigung nach links f├╝hrt geradewegs in die Flanke der Steilwand. Endlich kommen auch unsere St├Âcker mal wieder zum Einsatz. Die Passage ist besser als erwartet, aber nach etwa einer Stunde wagen wir uns nicht weiter. Ein Abbruch versperrt den Weg. Man k├Ânnte es schon auf die andere Seite schaffen, wenn der Erdrutsch auf einem Trail w├Ąre, den man von Anfang bis Ende durchlaufen m├Âchte. Aber freiwillig und ohne Not wollen wir da nicht weiter. Man m├╝sste den steilen Abhang hinunterklettern und auf der anderen Seite durch loses Ger├Âll wieder hinauf, um zur├╝ck auf den Pfad zu gelangen. Nach kurzer ├ťberlegung kehren wir um, zur├╝ck nach Caleta de Famara. Dort beginnt eine andere Wanderung, die ebenfalls recht lang ist. Aufw├Ąrts geht es, wir schrauben uns immer weiter bergauf durch die Flanken der Berge. Gut, dass es nicht so hei├č ist. Es gibt trotzdem Sonnenbrand auf der Nase, weil wir aufgrund der Wettervorhersage die Sonnenmilch aus dem Rucksack genommen haben. Nicht viel los auf dieser Route. Oben angekommen bietet sich uns ein toller Ausblick auf die K├╝stenlinie.

Ganz unten und winzig klein liegt das Dorf Caleta de Famara, von wo wir am Morgen gestartet sind. Noch ein St├╝ckchen weiter erreichen wir den Aussichtspunkt Pe├▒as del Chache im Norden von Har├şa. Hoch oben auf einem H├╝gel thront das Observatorium auf 670 H├Âhenmetern, welches wir bereits auf unserer Autotour von der Stra├če aus gesehen haben. Nun sind wir da, eigentlich eher zuf├Ąllig. Sch├Ân. ­čÖé Es ist der h├Âchste Referenzpunkt der Insel Lanzarote und ber├╝hmt daf├╝r, von dort aus gesch├╝tzt vor jeglicher Lichtverschmutzung den Sternenhimmel beobachten zu k├Ânnen.

So langsam sollten wir uns Gedanken ├╝ber den Heimweg machen. Thomas findet im Internet einen Bus, der um 16.30 Uhr ab Los Valles fahren soll. Entfernung 6,5 Kilometer, 1 Stunde und 20 Minuten Zeit. Das schaffen wir, laufen also stramm los. In einiger Entfernung liegen mehrere kleine D├Ârfer, alles Flachbauten, die H├Ąuser wei├č angestrichen. Die sehen alle gleich aus, keine Ahnung, wo Los Valles liegt. Nach einer Stunde z├╝gigen Wandern merken wir, dass sich die Distanz zu unserem Ziel verl├Ąngert hat. Das GPS f├╝hrt uns in die Irre …. Google Maps l├╝gt nicht. Nein – wir haben uns verlaufen. Anscheinend haben wir bei unserem schnellen Marsch einen Abzweiger verpasst. Sowas passiert uns ├Âfter. Immerhin kommt schon bald ein Wegweiser. Es sind demnach noch 2,5 Kilometer bis nach Teguise. Da wollten wir zwar nicht hin, aber es ist ein etwas gr├Â├čerer Ort. Von da werden wir eine Bus-Anbindung nach Arrecife bekommen. Und richtig, wir m├╝ssen nur 45 Minuten in Teguise warten. Im Bus merken wir, dass die Beine schwer sind. War ein langer Tag, gesch├Ątzte 25 Kilometer gelaufen, ganz sch├Ân viel f├╝r Seglerbeine, die nicht mehr im Training sind.

Muskelkater in den Waden, im Po und nun auch noch in den Oberarmen vom St├Âcker-Schwingen. Aber unser Ehrgeiz ist geweckt, wir geben nicht auf. Der neue Plan ist, die Steilwand von der anderen Seite zu bezwingen. Daf├╝r fahren wir eine Stunde mit dem Bus nach M├íguez. Endstation – weiter geht es nicht. Von da aus sind es noch 4 Kilometer zu Fu├č bis ins Dorf Ye, von wo aus es eine Route geben soll. Wir finden den Startpunkt auf Anhieb. Es folgt ein steiler Abstieg in Serpentinen auf einem gut erkennbaren Pfad bis auf Meeresniveau.

Von da aus steigen wir wieder auf, gesch├Ątzte 300 H├Âhenmeter, und bleiben dann w├Ąhrend der gesamten Traverse etwa auf dieser H├Âhe. Der Weg ist einfach. Eine klare Spur f├╝hrt an der Steilwand entlang, links die Klippen und rechts von uns das Meer. Unterbrochen wird der Pfad manchmal durch tiefe Rinnen mit Ger├Âll, Abbr├╝che aus vergangenen Tagen. Die Steinschlag-Lektion haben wir bereits vorgestern wiederholt. Was tun wir, wenn ….. Alles klar. Insgesamt nicht weiter schwierig, ein bisschen klettern, ein bisschen balancieren. W├Ąhrend der ersten H├Ąlfte unserer Tour sehen wir La Graciosa neben uns liegen. Zum Greifen nah, die Distanz etwa so wie Ostende Norderney bis nach Baltrum.

Der Weg ist nicht wirklich sch├Ân – eine Steinw├╝ste. Nichts los hier. Wir treffen keinen einzigen Menschen. ├ťber uns kreisen Dutzende von Seev├Âgel, die anscheinend in den Klippen nisten. Diese Route wird sicherlich kaum begangen, denn der Pfad scheint fr├╝her einmal breiter gewesen zu sein, ist aber inzwischen an vielen Stellen mit gro├čen und kleinen Steinen zugesch├╝ttet. In der Sonne leuchtet ein roter Schrotthaufen, der sich aus der N├Ąhe als rostiges Auto entpuppt. Jemand hat wohl seinen ausgedienten Kleinwagen einfach ├╝ber die Kante der Klippe entsorgt.

Denselben Verdacht haben wir, als wir am Kadaver eines gro├čen Hundes vorbeikommen. Der ist sicher auch nicht alleine in diese unwirtliche Gegend gelaufen und an einem pl├Âtzlichen Herzschlag gestorben. Schweinerei. ­čÖü
Daf├╝r freuen wir uns umso mehr an einer einzelnen Palme, die haarscharf an der Kante w├Ąchst und eigentlich nicht hierhin geh├Ârt. Um die Pflanzung herum wurde eine niedrige Mauer aus runden Steinen gebaut. Ein etwa 1 Meter hoher Zaun aus rostigem Draht sch├╝tzt die junge Palme zus├Ątzlich vor Wind und Tieren. Da hat sich ein netter Mensch viel M├╝he gegeben und ein Drahtgitter hergetragen. Eigentlich m├╝sste man in 10 Jahren noch einmal wiederkommen, um zu sehen, was aus dem zarten Pfl├Ąnzchen geworden ist.

Der Weg zieht sich …. Nach jeder Biegung folgt eine weitere Einbuchtung, die wir ablaufen m├╝ssen. Dann kommt die Stelle, an der wir vorgestern umgedreht sind. Von dieser Seite bietet sich eine ganz andere Perspektive. Abw├Ąrts durch’s Ger├Âll ist kein Problem. Der Aufstieg aus der Rinne auf der anderen Seite gestaltet sich ebenfalls einfach. Dort gibt es dicke Steine in angenehmem Abstand zum Klettern, dazu einige Felsnasen, an denen man sich festhalten kann. So herum funktioniert es wunderbar. Ich bin sehr froh, dass wir nicht wieder umkehren m├╝ssen. Das w├╝rde n├Ąmlich bedeuten, die 10 Kilometer Traverse zur├╝ck durch die Steilwand und dann noch knapp 5 Kilometer Stra├če bis nach M├íguez. So ist es viel besser. ­čÖé

Die n├Ąchste Stunde wird der Weg immer breiter, dann geht es nur noch einfach bergab und die restlichen 2 Kilometer am Strand entlang bis nach Caleta de Famara. Noch 90 Minuten, bis der n├Ąchste ( und letzte ) Bus f├Ąhrt. Wir versuchen, in den n├Ąchstgr├Â├čeren Ort zu trampen und halten den Daumen raus. Schon nach 10 Minuten h├Ąlt ein Auto. Gl├╝ck gehabt ! ­čÖé Die beiden Frauen nehmen uns bis zum Ortseingang Arrecife mit, von da aus ist es nur noch eine halbe Stunde durch die Stadt bis zur Marina.
Heutige Strecke etwa 20 Kilometer. Muskelkater ist fertig – daf├╝r tun jetzt die F├╝├če weh.

Ausruhen k├Ânnen wir uns auf See. Es geht weiter mit einem 2-Tage-T├Ârn nach Teneriffa. In der Hauptstadt Santa Cruz werden wir eine Weile bleiben, weil wir lieben Besuch erwarten.

Ein Kommentar zu “Lanzarote bis 24.01.2019

  1. Steinfisch

    Danke f├╝r die Fotos und die Wanderung auf Lanzarote!
    Der Blick in den Krater ist besonders beeindruckend.
    K├Ânnte ich die Fotos irgendwo vergr├Â├čert ansehen?

    Eine gute Zeit mit Eurem Besuch auf Teneriffa!

    Liebe Gr├╝├če! Ingrid