Wir segeln und wandern durch die Welt

Atlantik-Überquerung 6. Woche

Es ist noch ein bisschen unwirklich, aber wir sind ganz entspannt durch die Nacht gesegelt. Ich hatte keine besonders guten Gefühle nach dem RambaZamba der vergangenen Tage. Froh und erleichtert, wenn meine beiden Dunkel-Wachen um waren und ich die Verantwortung abgeben konnte. Kam mir schon fast ein bisschen paranoid vor, um nicht zu sagen „ängstlich“. Hoffentlich frischt der Wind nicht auf ! Kommt da vielleicht eine dunkle Wolke ? Wollen wir nicht doch vorsorglich reffen ? Umso besser, dass meine Befürchtungen unbegründet waren und einfach nichts passiert ist. Sternenklare Nacht, ruhige See, gleichmäßige Fahrt genau auf Kurs. Keine störenden Geräusche vom Motor, kein Diesel-Geruch. Es hört sich richtig beruhigend an, wenn das Wasser so schön gleichmäßig an der Bordwand plätschert.


Und schon wieder haben wir die Uhr umgestellt, zum vierten Mal eine Stunde zurück. Steuerbord querab in 250 Seemeilen Entfernung liegt Bermuda.
Die Kartoffeln müssen verlesen werden. Einige wenige werden aussortiert und gehen über Bord, der überwiegende Teil ist noch brauchbar. Es sind noch 12 Zwiebeln da. Könnte reichen. Zum Abendessen werden die letzten beiden Zucchinis verarbeitet. Die haben sich wirklich tadellos gehalten. In Zukunft gibt es an frischem Zeug nur noch Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch. Zum Frühstück essen wir standardmäßig Milch mit Haferflocken und Obst aus der Dose.

Wolkenloser Himmel mit einem Lichtermeer aus Sternen verspricht eine weitere schöne Nacht. Der Wind ist sehr okay, mit 4-5 aus Süd gut zu segeln, später in den Böen etwas mehr. Nach wie vor haben wir blöden Seegang, dicke Wellen rollen unter dem Schiff durch. Es ist sehr rumpelig unten. Thomas birgt um 4.00 Uhr früh das Großsegel, danach werden wir etwas langsamer, aber liegen ruhiger im Wasser.
Immer mehr Schiffe sind auf unserem Plotter zu sehen. Am Nachmittag haben wir gleich zwei nahe Begegnungen. Ein Segler geht in 0,3 Seemeilen Entfernung hinter unserem Heck durch. Der Katamaran „Learning Curves“ meldet sich über Funk zwecks Kurs-Absprache. Thomas hängt die Aries aus und steuert einen Moment von Hand. So kommen wir gut aneinander vorbei, der Katamaran passiert an steuerbord in einem Abstand von 0,1 Seemeile. Wir sind sehr froh darüber, dass wir unser Schiff schon bald nach dem Kauf mit AIS ausgerüstet haben. Auf dem alten Boot hatten wir keins, waren auch immer etwas sperrig bei diesem Thema ….. Was für eine geniale Erfindung ! 🙂
Gegen 18.00 Uhr nähert sich eine dunkle Wolkenwand von hinten. Wir segeln mit nur 3 Knoten, das schlechte Wetter ist schneller und holt uns ein. Halb so schlimm, wenn man es kommen sieht. Thomas hat Wache und ist gut vorbereitet. Die Wolken ziehen über uns mit wütendem Wind und Regen. Nach zwei Stunden ist es vorbei. Erste Sterne zeigen sich am Himmel, es sieht friedlich aus. Trotzdem habe ich in meiner Schicht auch noch einmal gut zu tun, als uns eine weitere Front mit Starkwind und Schauern einholt. Genua weg, Großsegel auf, 2 Reffs sind sowieso schon drin. Abwarten, bis der Mist vorbei ist, dabei besser nicht auf den Kurs achten. Ich habe Glück, bei mir dauert der Spuk nur eine halbe Stunde, dann wird es wieder ruhig. Zu ruhig …. Knapp 2 Knoten, kaum Wind, aber dafür springt der um von Süd auf West auf Nord und zurück auf Süd. Ich bin frustriert. Macht keinen Spaß. Bin froh, als ich um Mitternacht abgeben kann und verziehe mich in die Koje.

Gegenwind. 🙁 Der war schon angekündigt, aber man hofft ja immer, dass es anders kommt. Nun haben wir 5 Windstärken genau von vorne. Leider können wir keinen guten Winkel anlegen, weil es auf der Walkabout zur Zeit keine gescheite Fock für Am-Wind-Kurs gibt. Im Juli haben wir auf dem Törn von La Palma zu den Azoren das passende Vorsegel zerfetzt, Ersatz wird es erst demnächst in den USA geben. Wir segeln gebremst nach Süd-Westen, um nicht zu viel Raum zu verschenken. Da stimmt dann wenigstens die West-Komponente. Praktisch treten wir auf der Stelle, kommen dem Ziel gerade nicht näher. Aber alles entspannt, solange der Wind nicht stärker wird. Das müssen wir mehr oder weniger aussitzen. Geduld ist wieder mal gefragt.
Heftiger Platzregen am Nachmittag – wie aus dem Nichts. Die Wetter-Kapriolen hier sind wirklich bemerkenswert. Ständig wechselnde Winde, häufige Segelwechsel bei Tag und bei Nacht, und so soll es auch weitergehen. Mehrmals am Tag ändert sich die Richtung, in den Übergängen oft begleitet von Starkwind-Feldern mit Regen oder anschließender Flaute. Auch in der letzten Woche ist und bleibt es anstrengend. Diese Atlantik-Überquerung hat es in sich, und das nicht wegen der Länge, sondern wegen des unvorhersehbaren Wetters. Das führt auch dazu, dass diese Passage nicht zu meinen Lieblingsstrecken gehört. Muss man nicht nochmal machen. Vielleicht beim nächsten Mal doch besser nur die Barfuß-Route von den Kapverden in die Karibik ?
Abends wird der Horizont in kurzen Abständen hell erleuchtet. Zu allen Seiten hin gibt es Wetterleuchten auf breiter Front. Ein tolles Schauspiel ! Das Besondere daran ist, dass wir es aus dem Deckshaus heraus beobachten können, wo wir trocken und gemütlich sitzen. Sonst wäre dieses ständige Blitzen und Zucken am Himmel bestimmt unheimlich.

Ein herrlicher Segeltag ! Obwohl wir unendlich langsam vorankommen und obwohl wir nicht auf Kurs laufen …. Mit der richtigen Einstellung können wir das Leben an Bord wieder genießen. Man darf doch die schönen Seiten nicht vergessen. Super Wetter, blauer Himmel, Sonnenschein, dazu eine sanfte Dünung auf dem Atlantik. Der Wind kommt zwar von der falschen Seite, aber nicht zu dolle und gleichbleibend. Die Kurslinie nehmen wir nicht so wichtig, sondern segeln einfach das, was gerade bequem möglich ist. Auch so geht es weiter Richtung Ziel, dauert nur ein bisschen länger. Wir schleichen uns sozusagen durch die Hintertür an. Die Distanz auf dem Plotter beträgt inzwischen weniger als 500 Seemeilen.


Bereits früh am Morgen Begegnung mit einem großen dunklen Fisch, der uns entgegen schwimmt. Könnte ein Grindwal sein, man sieht zu wenig, um es genau zu bestimmen. Er taucht mehrmals kurz auf, verschwindet aber gleich wieder, ohne dass man viele Details erkennt. Zwei Stunden später hört Thomas das Geräusch von einem Blas an steuerbord. Wir werden in nur etwa 5 Meter Abstand von einem Wal überholt. Zielstrebig schwimmt er an uns vorbei, geht nicht in die Tiefe, sondern zeigt sich mehrmals an der Wasseroberfläche. Nicht lange danach zieht genau so ein Wal an backbord in der anderen Richtung vorbei. Es wird vermutlich derselbe gewesen sein, der eine Runde um unser Boot gedreht hat. Am Nachmittag beobachtet Thomas einen riesigen Tunfisch von ca. 1,50 Meter Länge. Der springt senkrecht hoch aus dem Wasser, dreht sich in der Luft und taucht wieder ein. Für unsere Angel wäre der ein bisschen zu groß, da beißt schon seit Tagen keiner mehr an. Überall im Wasser treibt Saragossa-Gras. Blöd, wenn es sich an der Angel festhängt und einen guten Fang vortäuscht. Heute wäre gerne mal wieder Fisch erwünscht, denn der Speiseplan wird etwas einseitig. Wir teilen uns den letzten Apfel. Drei Orangen und zwei vertrocknete Zitronen haben wir noch, danach gibt es Obst nur noch aus der Dose.


Duschen an Deck ist inzwischen richtig frisch, der erste Eimer Wasser kostet etwas Überwindung. Der Atlantik hat anscheinend ein paar Grad weniger als noch vor zwei Wochen. Am südlichsten Punkt unserer Passage lag die Wassertemperatur bei 27° Celsius, an der Ostküste der USA beträgt sie nur noch 10° Celsius. Es ist merklich kühler geworden. Sehr angenehm. Fliegende Fische sehen wir keine mehr. Denen ist es wohl auch zu kalt. Mittlerweile befinden wir uns auf 30° Nord.
Kurz vor Sonnenuntergang präsentiert sich der Himmel auf breiter Front zartrosa, garniert mit weißen Watte-Wölkchen. Sieht aus wie Zuckerwatte.

Weiter geht es in kleinen Schritten. Die Richtung des Windes ist zur Zeit brauchbar, allerdings weht kaum mehr als ein laues Lüftchen. Segeln unter Vollzeug, aber mehr als 2 – 2,5 Knoten in der Stunde sind nicht möglich. Noch üben wir uns in Geduld. Wir haben immer noch 220 Liter Diesel im Tank, falls uns hier die Decke auf den Kopf fällt. 
Mittags ein Segler auf Gegenkurs, nur knapp eine halbe Seemeile Distanz. Der Kapitän der „Azzurra“ funkt uns an, er ist anscheinend in Plauder-Stimmung. Ein Ami, unterwegs von Maryland an der Ostküste zu den Virgin Islands. Zunächst einmal heißt er uns „herzlich willkommen“. Dann gratuliert er, weil wir schon so lange unterwegs sind und uns immer noch vertragen. Wir bekommen einige Informationen zur Küstenlinie und zum Wettergeschehen aus erster Hand, bevor man sich guten Weg und guten Wind wünscht.
Thomas kümmert sich um die verdrehte Leine der Großschot, entfernt die Kinken und fädelt neu wieder ein. Dann hantiert er auf dem Vordeck so lange herum, bis beide Spinnaker-Bäume ordentlich stehen. Wir haben achterlichen Wind, allerdings immer noch herzlich wenig. Dafür ist unsere Schmetterlings-Besegelung gerade ideal. Von jetzt auf gleich werden wir schneller. Walkabout zieht mit 5 Knoten Fahrt gleichmäßig ruhig durch’s Wasser. Auch die Richtung stimmt genau. Damit sind wir doch sehr zufrieden, so kann es bleiben. Endlich geht es wieder voran, wir nähern uns unserem Ziel deutlich sichtbar.

Bord-Zeit umgestellt, eine Stunde zurück. Früh am Morgen können wir ringsherum Wetterleuchten beobachten. Der Himmel ist grau, dichte Bewölkung, heute kommt die Sonne nicht durch.
Es läuft wie geschmiert. Was für eine gute Idee, die beiden Spinnaker-Bäume noch einmal zu installieren ! Geschwindigkeit konstant zwischen 5 und 6 Knoten. Wer hätte das gedacht, dass wir in den letzten Tagen noch so richtig schöne Fahrt machen ! 🙂 Wir sind gerade beide sehr begeistert von unserem Endspurt nach Morehead City. Die zurückgelegten Seemeilen rattern nur so herunter, nachdem die Anzeige tagelang fast still zu stehen schien.
Ein merkwürdig aussehendes Schiff nähert sich und kreuzt in etwa einer Seemeile Entfernung unseren Kurs. Kein Frachter, kein Kreuzfahrer, ziemlich groß, hellgrau. Wir sind sehr erstaunt, als es in Sicht kommt, denn auf dem Kartenplotter ist kein AIS-Signal zu erkennen. Vermutlich ein Militär-Fahrzeug auf Patroullie. Wir fragen uns, ob die Grenzkontrolle wohl schon darüber informiert ist, dass wir in Richtung Küste unterwegs sind. Unseren Schiffsnamen und die MMSI-Nummer können die sehen, denn wir senden ein AIS-Signal mit unseren Daten.
Mittags nimmt der Wind zu. Zunächst wird die Fock an backbord geborgen. Nur mit der Genua auf steuerbord machen wir 7 Knoten Fahrt. Eine Stunde später mehr und mehr Wind, der uns um die Ohren pfeift. Die Wellenhöhe steigt schnell, das Meer ist weiß von Schaumkronen. Dazu kommt eine querlaufende Dünung, die uns das Leben an Bord unbequem macht. Wir reffen die Genua, erst etwa ein Drittel, dann mehr. Immer noch sind wir unheimlich schnell. Zuletzt steht nur noch ein winzigkleines Stück Genua. Wir fahren weiterhin mit ungefähr 6 Knoten unserem Ansteuerungspunkt entgegen. Rekord-Etmal von 131,4 Seemeilen. Am Nachmittag haben wir 7-8 Beaufort an Grundwind erreicht, dazu wütende Böen. Das ist langsam nicht mehr witzig. 🙁  Thomas montiert die Spi-Bäume ab. Keine leichte Aufgabe auf dem hopsenden Vordeck, aber die müssen unbedingt runter und gesichert werden. Unser Banana-Dingi an der Reling hat einige dicke Brecher abgekriegt, da muss nachgebessert und festgezurrt werden. Zu guter Letzt wird das Großsegel gesetzt, damit wir etwas stabiler durch die Wellen laufen. Trotz der drei Reffs im Groß kommt mir unsere Geschwindigkeit immer noch zu schnell vor. Das ist ein bisschen wie Achterbahn-Fahren. Und falls sich Jemand fragt, ob man am 40. Tag immer noch seekrank werden kann ? Ja, man kann.

Wilder Ritt durch die Nacht. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt. In unregelmäßigem Abstand waschen Wellen über das Deck. Mehrmals müssen wir im Salon aufwischen, weil Wasser durch’s Luk eindringt. Beängstigend, wenn das Deckshaus eine volle Breitseite abkriegt. Das ist zwar stabil gebaut, aber man erschreckt sich trotzdem. Schließlich ändern wir den Kurs ab, damit wir etwas schonender segeln können. Am Himmel voraus ist schon wieder Wetterleuchten zu sehen. Das ist kein gutes Zeichen, es sieht noch nicht nach Beruhigung aus. Dank der gestrigen Zeit-Umstellung wird es jetzt um 7.30 Uhr hell. Bin froh, denn mit Tageslicht sieht die Welt gleich viel freundlicher aus. Immerhin haben wir beide abwechselnd in der Nacht eine Mütze voll Schlaf bekommen. Bereit für die nächste Runde.
Tatsächlich wird es im Laufe des Vormittags ruhiger. Nur noch die kabbelige See deutet darauf hin, dass wir gerade 20 Stunden Starkwind ohne Unterbrechung hatten. Zwei Stunden lang scheint alles „normal“ zu sein, dann dreht der Wind wieder einmal um die Kompass-Rose. Angefangen bei Ost, dann aus Süd und etwas später aus West. Wir haben alle Hände voll zu tun, um die Segel und die Aries dauernd neu zu richten. Es bleibt mühsam. Als wir glauben, dass wir nun gut eingestellt sind, um auf Kurs zu laufen, da bricht der Wind ganz ein. Ist schon ein bisschen zum Verzweifeln. Wir eiern mit weniger als 2 Knoten herum, außerdem noch in der falschen Richtung. Ich habe genug davon und starte die Maschine. Knapp zwei Stunden Motor-Fahrt, dann zeigen sich ringsum graue Wolken. Die bringen eine kräftige Brise mit, so stark, dass ich schon fast wieder zu viel befürchte. Aber es bleibt moderat, nur ein paar starke Böen, danach pendelt es sich bei 5 Bft. aus Nord-Ost ein. Damit können wir gut leben und – wenn es so bleibt – entspannt durch die Nacht kommen.

Am Mittwoch, dem vorraussichtlich vorletzten Tag auf See, erreicht uns frühmorgens eine außerplanmäßige Nachricht von Henning. Sturmwarnung ! Wir können es kaum glauben. Als ob wir nicht schon genug Starkwind gehabt haben auf diesem Törn. Nun also das erste Mal mit Ansage. Um 14.00 Uhr soll es losgehen, laut Vorhersage ein Sturmtief am Nachmittag, dann noch einmal 6-7 Beaufort in der Nacht. In weiser Voraussicht essen wir etwas früher als gewöhnlich, danach kommt das dritte Reff ins Großsegel. Keine Minute zu früh, denn der Zirkus fängt bereits um 12.00 Uhr an. Es geht richtig zur Sache, und wie ….. Jetzt würde ich gerne Thomas das Feld überlassen,  denn ER hat am Steuerrad gesessen und den Sturm abgewettert. Bei Windstärke 10 habe ich mich nach unten in den Salon verkrochen, da habe ich einfach meinem Mann und dem Schiff vertraut. Die haben es mit Bravour gemeistert, während ich fast vor Angst gestorben wäre. Für mich war es der reinste Horror, möchte man nicht nochmal erleben. 🙁 So ein Sturmtief haben wir noch nie durchgemacht, obwohl wir seit Beginn der großen Reise ungefähr 37000 Seemeilen hinter uns haben. Nun gut, wir haben es überstanden. Nichts ist passiert. Wir sind gesund und munter ( vielleicht nervlich etwas angegriffen ). Das Boot ist heile. 🙂
Den ganzen Tag haben wir keine Sonne gesehen. Grau, dunkelgrau und schwarz waren die Farben des Himmels. Unsere Solarpaneele haben überhaupt nicht geladen, weswegen wir uns gegen Abend leichte Sorgen um die Strom-Versorgung machen. Einen Tag ohne Sonne können wir gut überstehen, wenn es länger dauert, dann könnten wir Probleme mit dem Energiehaushalt bekommen.
Während der Nacht hängen wir im Golfstrom, den wir in seiner ganzen Breite queren müssen. Wir quälen uns unter Motor mit 1,5 – 2 Knoten vorwärts.  Immer noch faucht draußen ein starker Wind, eine hohe Dünung hat sich aufgebaut. Die Nacht ist rabenschwarz. Anstrengende Nachtwache, denn das Schiff ist schwer zu steuern. Wir müssen beide Hände fest am Steuerrad halten und gelegentliche Hopser oder Surf-Einlagen sofort ausgleichen. Kommt das Boot erst einmal 90° vom Kurs ab, dann hat man verloren und braucht unendlich lange, um wieder in die Spur zu kommen.

Der letzte Tag fängt vielversprechend an. Richtig hell ist es am Horizont, vereinzelte Wolken, die Sonne schafft den Durchbruch. Immer noch viel Wind, dazu aus einer ungünstigen Richtung, aber die See hat sich beruhigt. Hohe Wellen treffen uns nur noch vereinzelt. Kalt ist es. Nord-Atlantik mit Nordwind im Dezember. Zeit für lange Hosen, Sweatshirt-Jacke, Socken. Zum Steuern sitzen wir mit Wolldecke im Deckshaus und sind trotzdem nach 3 Stunden durchgefroren.
Delfine, mindestens 20 Stück, bilden das Empfangskomitee. Eine kleine Sorte, sehr lebendig und gut drauf. Sie schwimmen um die Wette, tauchen unter der Walkabout durch, springen aus dem Wasser und drehen Pirouetten.
Eigentlich sind gar nicht so viele Seemeilen übrig, aber der Weg zieht sich. Erst bei Dunkelheit erreichen wir die Küste. Gleichzeitig zieht dichter Nebel auf. Land in Sicht ? Von wegen, man kann noch nicht einmal die Umrisse der Küstenlinie erkennen. Dafür Lichter, unendlich viele blinkende Lichter in rot, weiß, grün und gelb. Sehr irritierend. Inzwischen ist uns so richtig kalt ! Nord-Halbkugel, Dezember, Winter …. Die Kleidung wird nochmal aufgetoppt. Pullover, Ölzeug, Daunenjacke, Mütze, Handschuhe sind angesagt.
Thomas funkt die Coast Guard an, um zu fragen, wo wir die Nacht über ankern können. Aber die fühlen sich offensichtlich nicht zuständig oder verstehen nicht, dass wir von Übersee kommen und einklarieren müssen. Eine Viertelstunde später meldet sich ein Segler, der das Gespräch über Funk mitgehört hat. Er gibt uns die genaue Position seines Ankerplatzes, direkt hinter der Einfahrt beim Fishing Creek. In direkter Nachbarschaft fällt kurze Zeit später unser Anker auf 7 Meter Tiefe. 21.00 Uhr – wir sind da – ein neuer Kontinent, nicht für uns, aber für die Walkabout.  🙂
Eigentlich muss man sich bei Einreise umgehend bei der Border Control anmelden, aber das klappt nicht wie geplant. Drei Handys, die hier alle nicht funktionieren, Internet haben wir natürlich auch nicht. Heute gehen wir nicht mehr an Land, zumal wir dafür erst noch das Dingi klar machen müssen. Wir räumen nur eben das Gröbste auf, suchen unsere Winter-Bettdecke heraus, beziehen das Bett frisch und Feierabend.