Wir segeln und wandern durch die Welt

Teneriffa bis 28.10.2021

Ganz spontan fliegt die Skipperin noch einmal kurz nach Deutschland. Es gibt immer ein paar wichtige Dinge zu erledigen. Abholen des Enkelkindes vom neuen Kindergarten steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Dann natürlich die Mutter besuchen, Gespräche mit den Mietern führen und Treffen mit Freunden. Außerdem muss ich die Post durchgucken, Steuererklärung vorbereiten, bestellte Sachen wie z.B. Ersatzteile für den Motor und See-Handbücher für die USA sowie einige andere Klamotten einpacken und zum Boot schleppen. Genau 7 Tage bin ich auf Norderney und habe dort überhaupt keine Langeweile. Das Wetter während dieser Zeit : grau, stürmisch, regnerisch. Bin das Klima an der Nordsee gar nicht mehr gewöhnt. Schon nach der Hälfte der Zeit macht sich eine Erkältung mit Husten, Schnupfen und Halsschmerzen bemerkbar. Nein, ich habe kein Corona. Test am 12. und erneut am 20. Oktober negativ. Beeile mich beim Abarbeiten des Programms, so dass ich die Insel einen Tag früher als geplant verlassen und unseren Freund Hermann in Lübeck besuchen kann. Wahrscheinlich zum letzten Mal, denn wir hoffen, dass Australien und die Solomon Islands auch in absehbarer Zeit ihre Grenzen öffnen werden. Dann wird Hermann zurück zu seiner „Pacifico“ fliegen, und unsere Segelrouten liegen weit auseinander.
Zurück in Santa Cruz steht Großeinkauf an. Wir finden endlich neue Polster und Kissen für unser Deckshaus, gerade rechtzeitig vor dem nächsten langen Törn. Proviant-Planung sowie genaue Bestandsaufnahme der vorhandenen Vorräte sind abgeschlossen. Danach haben wir den Bedarf von 6 Wochen ausgerechnet. Haltbare Lebensmittel und Getränke für die lange Ozean-Passage sind eingekauft und verstaut. Mit dem Taxi lassen wir uns bis zur Marina fahren. Der Wagen ist voll, der Taxi-Fahrer nicht amüsiert, aber er bekommt 5,- € Trinkgeld für seine Dienste. Am Ende des Tages sind wir um einige Hunderter ärmer, aber dafür alle Stauräume im Schiff gut gefüllt. Nur Frisch-Proviant fehlt noch : Obst, Gemüse, Eier werden wir erst ganz zum Schluss besorgen.
Samstag, den 23.10., müssen wir Santa Cruz verlassen, denn es gibt hier keinen Liegeplatz mehr für uns. Die Segler der ARC ( Atlantic Rallye for Cruisers ) sind bereits unterwegs, Start ist am 20. November von Gran Canaria. Zudem mussten viele Boote die Marina Tazacorte auf La Palma verlassen, weil dort seit über einem Monat der Vulkan Cumbre Vieja aktiv ist. Dann sind da noch die ganzen hängengebliebenen Segler, welche aufgrund der Corona-Pandemie ihre Pläne ändern mussten, also nicht weitergekommen sind. Ergebnis : Marinas sind voll. Drei Anfragen bei Puertos Canárias sind mit drei Absagen beantwortet worden, bevor wir Kurs auf Santa Cruz genommen haben. Von Anfang an wurde uns klipp und klar gesagt : bis zum 23. und keinen Tag länger.
Also machen wir uns am Samstag auf den Weg Richtung Süden, wo wir in der Marina San Miguel einen Platz bekommen haben, um letzte Reparaturen vorzunehmen. Das sind nur etwa 40 Seemeilen entlang der Ostküste Teneriffas mit achterlichem Wind weiter Richtung Süden. Eigentlich nur ein Tagestörn, aber Wind und Wellen sind nicht zu unterschätzen.
Auschecken beim Bereitschaftsdienst, noch bevor das Marina-Office öffnet. Neuerdings muss man sich vor Verlassen des Hafens über Funk bei der Policia Maritima abmelden. Mehrere Versuche, aber keine Antwort. Wir fahren einfach los. Sobald wir raus sind aus dem Schutz der Hafenmauer, da bekommen wir hässliche Wellen von der Seite. Sofort rumpelt es wieder. Alles, was nicht festgebunden oder anderweitig gesichert ist, fängt an zu klappern. Das zeigt uns einmal mehr, dass man zwischen den Inseln der Kanaren keinen Ausflug machen kann, ohne den See-Zustand herzustellen.
Zur Mittagszeit werden wir an backbord passiert von der Mega-Yacht „Antares“. Die kommt auch gerade aus Santa Cruz und ist mit dem Ziel „Antigua“ unterwegs in die Karibik. Mit 50 Metern Länge und mindestens einem Dutzend Bediensteter an Bord verkörpert dieses schicke Schiff „Luxus pur“, den wir aber nicht geschenkt haben wollen. Heute früh konnten wir noch beobachten, wie der extra für die Antares bestellte Tankwagen das Schiff vollgepumpt hat. Etwas über 10 Knoten Geschwindigkeit, doppelt so schnell wie unser Boot, damit werden wir natürlich locker überholt. Walkabout macht zur selben Zeit gute 5 Knoten Fahrt, allerdings ohne Motor, nur unter Segeln. Über den Verbrauch an Diesel bei so einer Luxus-Yacht mag man besser gar nicht nachdenken. Der Wind ist umsonst.

Um 17.30 Uhr kommen wir in San Miguel an. Versuchen mehrmals, den diensthabenden Marinero anzufunken, aber es kommt keine Reaktion. Nun gut …. Wir haben per e-mail eine Bestätigung unserer Reservierung mit Lageplan bekommen. Daher wissen wir, wo wir festmachen sollen und auf welche Seite die Leinen und Fender gebunden werden müssen. Aber Pustekuchen …. es kommt ganz anders als gedacht. Da, wo auf unserer Zeichnung die Walkabout an einem Fingersteg eingezeichnet ist, dort gibt es in Wirklichkeit gar keinen Fingersteg. Viel Schiebewind drückt außerdem kräftig von hinten. Blöde Situation. 🙁  Inzwischen sind zwei junge Männer auf den Steg gekommen und wollen unsere Leinen annehmen. Wir sollen nur mit dem Bug voraus parken, haben aber keine Möglichkeit, uns seitlich zu sichern. Diese Aktion misslingt mit „Hilfe“ der Marineros total, so chaotisch haben wir noch nirgends angelegt. Offensichtlich schlecht bezahlte Arbeiter in der Marina, denn man hat nicht den Eindruck, dass die wissen, was sie tun. Ärgerlich genug. Dazu kommt, dass die Länge der Mooring-Leine achtern zu kurz bemessen ist. Walkabout wird in den Windböen nach vorne an den Steg gedrückt.
Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft – wir sind selber immer noch nicht ganz fertig mit Festmachen – da kommt ein größerer Segler mit französischer Flagge in den Hafen. Die jungen Marineros bedeuten ihm, dass er neben uns anlegen soll. Schwierig bei so viel Rückenwind und ohne Fingersteg. Es dauert lange, bis der Neuankömmling einigermaßen sicher neben uns liegt. Er driftet nun nicht mehr seitlich weg, aber er hängt mit seinem ganzen Gewicht an der Walkabout. Das Verhältnis passt nicht, denn das Boot unseres Franzosen-Nachbarn ist zu lang, dafür sind die Leinen der Mooring zu kurz. Immer wieder arbeitet Thomas mit den Leinen, startet schließlich sogar noch einmal die Maschine und versucht, beide Boote zusammen in eine bessere Position zu bringen. Auch der Franzose neben uns ist noch nicht zufrieden und bemüht sich bis in die Dunkelheit, das Beste aus diesem Liegeplatz zu machen. Derweil sitzt ein älteres deutsches Ehepaar stundenlang gegenüber auf einem ziemlich noblen Schiff und guckt Hafen-Kino. Die stehen nicht auf, um irgendwo zu helfen, fassen keine einzige Leine an, kein Boot-Abdrücken, sie machen keinen Handschlag. Die rühren sich einfach nicht, sondern glotzen nur und ergötzen sich am Stress der Anderen. Unsympathische Leute, die sind bei mir schon unten durch. 🙁
Fakt ist : Die Amarillo Marina in San Miguel ist rappelvoll. Wir haben reserviert und bekommen einen Platz. Gut. Andere Segler werden tatsächlich abgewiesen. An Stelle eines bequemen Liegeplatzes am Fingersteg hängen wir nun mit dem Heck an einer Mooring, die uns nicht in der richtigen Position halten kann. Mehrmals stößt unser Bug vorne an und schwarze Farbe platzt ab, aber das sehen wir recht entspannt.

In San Miguel haben wir Ende letzten Jahres ein paar Tage verbracht, weil wir eine Rollreff-Anlage installiert haben. Schon am ersten Abend treffen wir den Schweizer, der uns die Profurl verkauft und mit Thomas zusammen zwei volle Tage bei uns an Bord damit beschäftigt war.
Anmelden im Büro geht schnell. Man möchte unsere Papiere gar nicht sehen, denn die Walkabout ist seit Dezember noch im System. Thomas berichtet vom Problem mit der Mooring. Bei unseren Nachbarn links und rechts sieht es nicht besser aus, die Plätze sind für kleinere Boote geplant. Man verspricht uns, dass Taucher geschickt werden, damit die Leinen verlängert werden. Na, ob wir das noch erleben dürfen ? 😉
Nun müssen noch die aus Deutschland mitgebrachten Motorfüße eingebaut und danach der Motor zur Welle gerade ausgerichtet werden. Das Austauschen der Motorfüße geht diesmal fix, denn es ist schon das dritte Mal seit La Restinga. Yacht-Service und Volvo-Werkstatt werden hier in der Marina von einem fähigen Holländer betrieben. Dort haben wir im Dezember unsere neuen Solarpaneele gekauft. Thomas hat bereits telefonisch Kontakt aufgenommen und locker vereinbart, dass er uns bei der Bastelei am Motor unterstützen wird. Montag früh bei Laden-Öffnung braucht es nur ein kurzes Gespräch im Laden, noch am selben Tag um 15.00 Uhr kommt Marc an Bord. Der Fachmann hat gar nicht viel zu tun, nur einmal Gucken und Horchen bei Vollgas, ein bisschen Drehen und fertig. Dauert keine 10 Minuten, der Motor läuft rund. Die Aries-Windsteuerung bekommt noch ein bisschen Liebe und Pflege, damit sie die nächsten Wochen brav den Kurs hält. Austausch der Gasflasche, die wir schon seit einer gefühlten Ewigkeit in Gebrauch haben. So etwas muss auf See nicht sein. Dienstag gibt es ein letztes Treffen mit Anke und Horst. Unsere Freunde fahren mit uns zur Gas-Station, wo wir die leere Flasche gefüllt bekommen. Super ! Gemeinsames Mittagessen in der „Tasquita del Puerto“ in Los Abrigos. Nette Atmosphäre und sehr gute Küche, absolut empfehlenswert. Wir genießen die Gesellschaft von lieben Menschen, die gut zu uns passen. Ostfriesen – wie wir. 😉 Erst nach 8 Stunden verabschieden wir uns ( wieder einmal ) voneinander.

Ferner beschäftigen wir uns ausgiebig mit den Einreise-Formalitäten für die USA. Auch die Suche nach einem passenden Hafen gestaltet sich zeitaufwändig. Wir brauchen einen sicheren Platz, wo wir die Walkabout während des Florida-Trails für 3-4 Monate lagern können. Florida ist unbeschreiblich teuer, so dass wir uns eher gen Norden orientieren und dafür eine längere Anreise in Kauf nehmen. Nach unzähligen e-mails, Recherchen im Internet und Gesprächen haben wir uns schließlich festgelegt : Wir werden ablegen mit dem Ziel North Carolina. Weiter Weg, aber die Marinas dort sind uns sympathischer. Natürlich müssen wir flexibel bleiben, und wenn es anders kommt, dann vor Ort neu entscheiden. Jetzt bleibt noch zu klären, ob und wo wir einen Ausreise-Stempel in unsere Reisepässe bekommen können. Das ist nicht zwingend erforderlich, aber schließlich verlassen wir die EU mit dem weit gesteckten Ziel USA. Da möchten wir bestens auf die Kontrolle durch die Behörden vorbereitet sein. Unsere E-Mails an die Autoridad Portuaria und die Immigration am Flughafen bleiben bis zum Ablegen unbeantwortet. Na gut, dann eben nicht ….

Für den Einkauf von Frisch-Proviant gehen wir Mittwoch auf den Bauernmarkt nach Chafiras. Eine gute Stunde Fußweg entlang der Hauptstraße bergauf, wobei wir wieder feststellen, wie hässlich die Gegend hier ist. Gekühlte Ware können wir nicht gebrauchen, die verdirbt uns zu schnell, weil wir keinen Kühlschrank haben. Die Marktfrauen sind ausgesprochen freundlich und zugewandt, so dass wir per Taxi eine ordentliche Ladung Gemüse nach Hause bringen können. Obst und Eier bekommen wir leider nicht, die fehlenden Sachen müssen aus dem Supermarkt besorgt werden. Thomas klettert am Abreisetag noch einmal zur Kontrolle in den Mast und hat nichts zu beanstanden. Zuletzt werden noch Wasser und Diesel vollgetankt, die Luken zugeschraubt, letzte Dinge festgezurrt. Fertig. Kann losgehen. 🙂

Ungefähr 4000 Seemeilen liegen vor uns, wir rechnen mit 5- 6 Wochen auf See. Proviant für 500,- € ist an Bord. Verhungern werden wir also nicht.

2 Kommentare zu “Teneriffa bis 28.10.2021

  1. Steinfisch

    Liebe Frauke, lieber Thomas, ihr mutigen Menschen,
    dauert es 6 Wochen, ehe wir wieder ein Lebenszeichen von euch bekommen?
    Ich wünsche euch eine glückliche, sturmfreie Überfahrt!
    In Gedanken werde ich bei euch sein. Mit dem Finger auf dem Globus reise ich mit. 😀

    Bleibt gesund und alles Gute wünscht euch Ingrid

  2. Heinrich und Hildegard Laufen

    Liebe Frauke und lieber Thomas,
    nach langer Abstinenz haben wir euch wieder gefunden und werden euch gern wieder ein Stückchen begleiten. So spannende Dinge habt ihr gemacht, so viel Neuigkeiten gibt es von der Familie, wir freuen uns sehr mit euch. Schön, dass ihr wieder mit der „Walkabout“ unterwegs seid! Gern denken wir an unsere Begegnung vor fast 10 Jahren in Vitoria zurück. Wir segeln nicht mehr, sind aber recht viel an Land unterwegs – es geht uns gut.
    Habt eine schöne Überfahrt, und kommt gut an! Alles Liebe von Heiner und Hilde (Namib)